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Kampfansage
Weltmusik, die Grenzen sprengt: Yaak Pabst über die Debüt-CD der Koalas Desperados

Die Gitarre groovt, der Beat treibt, der Bass brummt. Mit im Takt klatschenden Händen legt der peruanisch-stämmige Sänger Paco Mendoza auf Spanisch los. Die Spoken-Word-Künstlerin Akua Naru aus New Jersey folgt auf Englisch. Die dritte Strophe ist der rauen Stimme des portugiesischen Rappers Bezegol vorbehalten. Der Eröffnungssong »Vengo« vermischt Reggae mit Latinklängen und Cumbiastyle zu einem musikalischem Ganzen. Es wird gerappt, gesungen, getoastet - die Koalas Desperados sind da. Schon beim ersten Song der Platte will man aufspringen und laut »Yeah!« rufen.

Danach knallt mit »All Night Long« ein von Gitarren getriebener, leichter Ska-Takt mit dicken Bässen durch die Boxen. Hinter blubbernden Effekten verstecken sich im Balkanstyle erklingende Blechblasinstrumente, während die schwedische Jazz- und Soul Sängerin Jaqee den Song endgültig in die Clubatmosphäre katapultiert.

Mit »Ele Fanan« brechen die Koalas Richtung Afrika auf. Percussion begleitet Sänger Korbo. »Korbo«, das steht in seiner Heimat Burkina Faso als Attribut für all diejenigen, die sich der französischen kolonialen Besatzung widersetzt haben. Er singt, als wolle er alte Kämpfe aufleben lassen. Bei seiner kräftigen und dunklen Stimme wird einem warm ums Herz.

Bei dem Song »Fado Chupao« experimentieren die Koalas mit Fado - einem portugiesischen Musikstil, der seinen Ursprung in den Armenvierteln von Lissabon hat. Er vereint arabische Musikelemente, verschiedene Tonhöhen und viele Molltöne. Die Sängerin Laura Lopez Castro wird von der Band A Naifa aus Portugal begleitet: temperamentvoll und traurig, zwingt ihr Gesang zum Zuhören.

Die Koalas überwinden Grenzen. Nicht nur sprachlich. Der sozialkritische Rap »Negro« von Foreign Beggars wendet sich gegen Rassismus und Armut, während Nosliw in »Security« den Sicherheitswahn eines Spießbürgers aufs Korn nimmt. Im Song »Emigrante« thematisiert der Frankfurter Ragga-MC D-Flame mit seiner unverkennbaren Bassstimme die Lage von illegalen Flüchtlingen. In der zweiten Strophe rappt er: »Er merkt, dass ihn sein Heimweh langsam auffrisst // und dass vieles, was er gehört hat, nur ein Traum ist // Ohne Aufenthaltsgenehmigung geht überhaupt nix // Dazu braucht man eine gültige Arbeitserlaubnis // Wenn er zurück geht, kann es sein, dass man ihn aufschlitzt // Doch der Beamte beim Asylantenamt, der glaubt nix // Seine Mutter schreibt, die Familie braucht dich // Du weißt, du wirst noch mehr leiden, wenn du jetzt aufgibst // Ein Freund sagt, du wirst reich, wenn du schlau bist // Kollegen machen gerade dickes Geld mit Rauschgift // Er nimmt das Angebot an und verkauft auch Shit // Niemand hat ihm gesagt, wie schnell man dafür im Bau sitzt.«

30 Musiker, 15 Länder, sechs Sprachen - ein Album. Auf ihrer Debüt-CD feiern die Koalas mit unglaublicher Energie, wie es ist, gemeinsam Musik zu machen. So schaffen sie einen internationalen rebellischen Sound, der neugierig auf mehr macht. Die beiden Produzenten Teka (Thilo Jacks) aus Köln und Manar El-Abed aus Montpellier haben zweieinhalb Jahre an dem Album gebastelt. Die Mühe hat sich ausgezahlt. Die Koalas Desperados vereinen in ihrer Musik vieles: Die Attitüde des Punk, die Kompromisslosigkeit des Rap, den Zauber des Reggae und Ska, die Leichtigkeit des französischen Chanson und die Waffe der Kritik. Sie sind leidenschaftliche Musiker, die von einer Platte mehr erwarteten als eine handvoll Songs: Mut, Neugier, Veränderung - eine Kampfansage an das eintönige Programm der multinationalen Musikkonzerne. Mehr davon.

Zur CD:

 
 
 
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