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Fakten gegen Faschos
Block Fascism« heißt eine neue Broschüre, die Linksjugend ['solid] und Die Linke.SDS gemeinsam herausgegeben haben. Den Anlass hierzu lieferte die Mobilisierung gegen den Naziaufmarsch in Dresden im Februar 2010. Mit dem Heft wollen die beiden linken Verbände auch über dieses Ereignis hinaus antifaschistische Politik vorantreiben. Die Texte liefern einerseits Fakten über die Nazibewegung heute, andererseits greifen die Beiträge auch in politische Auseinandersetzungen im Kampf gegen Rechts ein. Von Jan Maas

So argumentieren beispielsweise Friederike Benda und Sophie Dieckmann, dass es notwendig sei, Faschisten auf der Straße zu stoppen: »Es demoralisiert die Nazis, wenn sie merken, dass nicht nur ihre Inhalte abgelehnt werden, sondern dass die Bevölkerung auch bereit ist, sich ihnen aktiv in den Weg zu stellen.« Gegenmobilisierungen müssten ebenso politisch breit aufgestellt wie entschlossen sein, um Aufmärsche zu verhindern.

Ein Beitrag von Jana Werner und Nicola Eschen beschreibt Islamophobie als derzeit vorherrschende Form des Rassismus. Die Autorinnen sehen den antimuslimischen Rassismus als »Bindeglied zwischen Mainstream und programmatisch rassistischen Ideologien und Parteien« an.

Florian Wilde zeichnet in einem historischen Beitrag nach, wie ausgerechnet in Deutschland die faschistische Terrorherrschaft etabliert werden konnte, wo noch 1920 ein Generalstreik den rechten Kapp-Putsch erfolgreich zurückgeschlagen hatte. Wilde arbeitet die Spaltung der Arbeiterbewegung als wesentlichen Grund für ihre Niederlage heraus. Übertragen auf heute plädiert er für eine glaubwürdige antikapitalistische Linke als Bollwerk gegen die Nazis.

Marco Heinig weist in seinem Text auf die Verwandtschaft von Faschismus und bürgerlicher Demokratie hin und zeigt, dass die gegenwärtig Form des Kapitalismus ein Nährboden für den Faschismus sein kann: »Da der bürgerlich-demokratische Staat den Nationalismus stets fördert, ist er auch der ›Schoß, aus dem es kriecht‹.«
Einige kleine Schwächen trüben die Brillanz dieser Textsammlung. Julian Plenefisch beispielsweise schreibt in seiner Analyse vom »großen Zuspruch unter deutschen und italienischen Arbeitern für den Faschismus«. Diverse wissenschaftliche Arbeiten - etwa von Francis L. Carsten - haben jedoch gezeigt, dass es den Nazis nie gelungen ist, maßgeblich Anhänger aus der organisierten Arbeiterschaft zu gewinnen.

Vielmehr liegt die Klassenbasis des Faschismus im Kleinbürgertum, also den Mittelschichten. Die Ursache für die vorhandenen, wenn auch geringen Erfolge unter Arbeitern ist in der Demoralisierung infolge der politischen Spaltung der Arbeiterbewegung zu suchen. Das unterstreicht noch einmal, dass im Kampf gegen Nazis unmittelbar eine breite und entschlossene Bewegung und auf lange Sicht eine glaubwürdige antikapitalistische Linke vonnöten sind.

Trotz dieser Schwäche ist die Broschüre empfehlenswert: Erstens wegen des lobenswerten, aber seltenen Ansatzes, Theorie und Praxis unmittelbar zu verbinden und zweitens wegen des unschlagbar günstigen Preises von einem Euro, der ihr hoffentlich zu massenhafter Verbreitung unter Schülern, Auszubildenden und Studenten verhilft.

Die Broschüre:
 
 
 
AKTUELLES HEFT
marx21, Heft 25, April – Juni 2012: Titelthema: Occupy! Wir sind alle Griechen.

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