Während in Ägypten Massen gegen die
Diktatur revoltieren, fanden am Freitag in Berlin und Frankfurt am
Main Solidaritätskundgebungen mit der aufständischen Bevölkerung
statt. Frank Eßers war in Berlin dabei.
Das Mubarak-Regime versucht,
die aufständische Bevölkerung zu isolieren und legte die Handynetze total
sowie das Internet weitgehend lahm. Doch weltweit zeigen Menschen auf der
ganzen Welt ihre Solidarität mit den Ägyptern. Auch in Deutschland.
In Berlin (siehe Diashow) und Frankfurt am Main demonstrierten am gestrigen Freitag
jeweils etwa 150 Menschen - in Berlin vor der ägyptischen
Botschaft, in Frankfurt vor dem ägyptischen Konsulat.
Man kann es, wenn man will, als Omen
nehmen, dass die Flagge der ägyptischen Botschaft in Berlin schlaff
herab hängt, als wir uns auf der anderen Straßenseite gegenüber
dem Gebäude versammeln. Wann fällt das ägyptische
Regime endlich? Diese Frage bewegt hier alle.
Diashow: Solidaritätskundgebung vor der ägyptischen Botschaft in Berlin
(Falls hier keine Diashow angezeigt wird: Zu den Fotos...)
Seit Tagen ist Diktator Hosni Mubarak
auf Tauchstation gegangen. Gerüchte kursieren. Aber dass er sich an
seinem tunesischen Kollegen Ben Ali ein Beispiel genommen und bereits
außer Landes geflohen ist, glaubt hier niemand. Deswegen wird
lautstark auf deutsch und arabisch die Empfehlung skandiert: »Raus,
raus Hosni Mubarak«. Einer der Mitdemonstrierenden fragt mich:
»Kannst du mal halten?« - gemeint ist ein Zipfel eines
Transparentes, das ich mit aufspannen soll. Klar, kann ich – und muss
grinsen: Der Slogan darauf lautet: »Mubarak, dein Flugzeug
wartet«. Hoffentlich kann das auch der Botschaftsmitarbeiter lesen,
der uns fleißig fotografiert.
Dass es sich hier nicht einfach um eine
vereinzelte und kleine Kundgebung handelt, sondern dass wir uns als
Teil einer viel größeren Bewegung fühlen, bringt einer der
Teilnehmer zum Ausdruck. Lächelnd hält er ein Schild hoch, auf dem
steht: »Das ist keine Demonstration, sondern eine Revolution gegen
Mubarak«.
Doch worum geht es eigentlich? Es geht
um »Brot, Freiheit, soziale Gerechtigkeit« – unser Ruf hallt laut
in Richtung Botschaft. Mehr als die Hälfte der 78 Millionen Ägypter
lebt unter der internationalen Armutsgrenze. Und darum, dass Schluss
ist mit der Folter und der Unterdrückung von Meinungsfreiheit und
sozialen Rechten.
Der heutige Protest ist ein Anfang. Für morgen sind bereits zwei weitere Demonstrationen in
Berlin geplant.
Derzeit zeigt sich die
Anteilnahme der Bevölkerung in Deutschland noch vorwiegend im Netz. Auf Blogs, bei Facebook und Twitter
reißen die Meldungen über den Fortgang der Ereignisse in Ägypten
und Solidaritätsbekundungen mit der revoltierenden Bevölkerung
nicht ab.
Doch es ist wichtig, auch auf der Straße Gesicht zu
zeigen. Denn nur hier wird der Protest für die Masse jener greifbar,
die nicht zur Web 2.0-»Gemeinde« gehören. Und nur auf der Straße,
in Betrieben, an Schulen und Universitäten können wir auch ausreichend Druck
aufbauen: Auf die deutsche Regierung, damit diese das Mubarak-Regime
nicht weiter unterstützt. Und auf deutsche Unternehmen, die an
Geschäften mit dem Regime gut verdienen.
Später am Abend – die Kundgebung ist lange vorbei – melden die Nachrichten, dass Mubarak doch noch eine Rede gehalten
hat. In der kündigt er den Rücktritt der bisherigen und die Bildung
einer neuen Regierung am Wochenende an. »Wir bewahren, was wir
erreicht haben, und wir bauen darauf auf«, sagte er.
Glaubt Mubarak wirklich,
dass sich die Ägypter mit einem einfachen Personaltausch abspeisen
lassen? Die Massenproteste in Ägypten seit dem 25. Januar zeigten,
dass »das Regime viel schwächer ist, als gedacht«, sagte einer der
Protestierenden in Frankfurt gegenüber hr-online. Und in Berlin
wurde gerufen: »Das Volk sagt, das Regime soll gehen«. Der Pilot
sollte schon mal den Motor von Mubaraks Flugzeug warmlaufen lassen.
Zum Autor:
Frank Eßers ist Online-Redakteur bei marx21.de und aktiv in der LINKEN in Berlin-Neukölln.
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