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19.04.11: Ägypten | Drucken |
Kampf um den Tahrir-Platz
Schritt für Schritt versucht die Armeeführung zurückzuerobern, was die Bewegung besetzt hatte. Doch ihre Truppen bleiben gespalten. Aus Kairo berichtet Mona Dohle

Immer wieder geht das Militär gegen Demonstranten auf dem Tahrir-Platz vor (Foto: Sarah Carr CC BY-NC-SA)
Immer wieder geht das Militär gegen Demonstranten auf dem Tahrir-Platz vor (Foto: Sarah Carr CC BY-NC-SA)
Die ägyptische Armee hat letzte Woche erneut den Tahrir-Platz besetzt. Den ganzen Tag über gab es Auseinandersetzungen zwischen den Demonstranten und den Besitzern der umliegenden Läden. Die Verkäufer wollen gerne so schnell wie möglich zum Alltag zurückkehren, der Protest schadet ihren Geschäften. Die Demonstranten auf dem Tahrir Platz betonen allerdings, dass die Revolution noch lange nicht gewonnen hat. Sie sind misstrauisch gegenüber dem ägyptischen Rechtsstaat und glauben nicht, dass Mubarak eine gerechte Strafe erhalten wird.

»Yalla, yalla, wir müssen nach Scharm El-Scheich gehen und Mubarak persönlich abholen!« rufen sie. Gegen Mittag erscheint Mufeed Fawzy, ein berühmter ägyptischer Talkshowmoderator in einer der Bars in der Nähe des Tahrir-Platzes. Er wird sofort von dutzenden wütenden Menschen umzingelt und beschuldigt, mit Mubarak zusammenzuarbeiten. Der Vorfall illustriert, wie angespannt die Stimmung auf dem Platz ist.

Folter im Museum

In den letzten Wochen haben die Repressionen der Armee zugenommen. Eines Nachts wurden die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz brutal angefallen, dutzende wurden verletzt und verhaftet, mindestens zwei wurden ermordet. Das ägyptische Museum ist in eine Folterkammer verwandelt worden, die Gefangenen zeigen grausame Wunden, Frauen berichten von sexuellem Missbrauch.

Vorgestern wurde Maikel Nabil, ein ägyptischer Blogger, zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe verurteilt, weil er sich in seinem Blog kritisch über die Armee äußerte. Die ägyptischen Zeitungen zunehmend negativ über die Demonstranten, sie werden als Arbeitslose und Unruhestifter dargestellt. Viele Menschen auf der Straße betonen, dass sie jetzt erst einmal bis zum Gerichtsurteil gegen Mubarak abwarten wollen.

Armee bleibt gespalten

Gleichzeitig nehmen die Repressionen gegen Demonstranten zu. Seit Februar befindet sich das Land unter Militärherrschaft, Mohammed Hussein Tantawi, Mubaraks Ex-Verteidigungsminister, ist de facto Staatschef des Landes. Von ihm kann man kaum Veränderungen erwarten.

Es gibt allerdings sehr wohl Soldaten, die die Revolution unterstützen. Letzten Freitag erschienen acht Offiziere auf der dem Tahrirplatz, um ihre Solidarität mit den Demonstranten zu zeigen. Laut Augenzeugen wurden die meisten von ihnen verhaftet, mindestens ein Offizier wurde von der Armee hingerichtet.

»Wir werden zurückkommen.«

Diese Konflikte führen dazu, dass die Stimmung auf dem Platz immer angespannter wird. Menschen werden willkürlich verdächtigt, Diebe oder »baltagiyya«, Söldner für Mubarak, zu sein. In dieser angespannten Atmosphäre gelang es einigen Umstehenden, die Straßensperren rund um den Tahrir-Platz aufzuheben, so dass der Verkehr langsam wieder um den Platz kommen konnte.

Kurz danach erschien wieder eine Gruppe von Soldaten zwischen den Demonstranten. Sie wurden mit Pfiffen und Applaus empfangen. Diesmal wurden die Soldaten allerdings von mindestens 4 Panzern voll Soldaten begleitet. Während einige Soldaten durch die Menge liefen und vermeintliche Diebe verhafteten, formten die übrigen Soldaten eine Menschenkette rundum den Platz auf dem die Demonstranten saßen. Diese wurden Stück für Stück entweder vertrieben oder verhaftet. In der Nacht war der Platz vollständig von Demonstranten geräumt. Die Armee war immer noch anwesend.

Die umstehenden Menschen beobachteten die Ereignisse besorgt. Auf Fragen reagierten sie zurückhaltend, sie hatten Angst in Anwesenheit der Armee zu sprechen. Einer der umstehenden Männer erklärt: »Sie haben alle Demonstranten auf dem Platz verhaftet, aber wir werden zurückkommen.«

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marx21, Heft 02/2014, Titelthema: Gefährlicher Kampf um Osteuropa

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