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Kampf um den Tahrir-Platz |
Schritt für
Schritt versucht die Armeeführung zurückzuerobern, was die Bewegung
besetzt hatte. Doch ihre Truppen bleiben gespalten. Aus Kairo
berichtet Mona Dohle
 Immer wieder geht das Militär gegen Demonstranten auf dem Tahrir-Platz vor (Foto: Sarah Carr CC BY-NC-SA) Die
ägyptische Armee hat letzte Woche erneut den Tahrir-Platz besetzt.
Den ganzen Tag über gab es Auseinandersetzungen zwischen den
Demonstranten und den Besitzern der umliegenden Läden. Die Verkäufer
wollen gerne so schnell wie möglich zum Alltag zurückkehren, der
Protest schadet ihren Geschäften. Die Demonstranten auf dem Tahrir
Platz betonen allerdings, dass die Revolution noch lange nicht
gewonnen hat. Sie sind misstrauisch gegenüber dem ägyptischen
Rechtsstaat und glauben nicht, dass Mubarak eine gerechte Strafe
erhalten wird.
»Yalla,
yalla, wir müssen nach Scharm El-Scheich gehen und Mubarak
persönlich abholen!« rufen sie. Gegen Mittag erscheint Mufeed
Fawzy, ein berühmter ägyptischer Talkshowmoderator in einer der
Bars in der Nähe des Tahrir-Platzes. Er wird sofort von dutzenden
wütenden Menschen umzingelt und beschuldigt, mit Mubarak
zusammenzuarbeiten. Der Vorfall illustriert, wie angespannt die
Stimmung auf dem Platz ist.
Folter im
Museum
In den
letzten Wochen haben die Repressionen der Armee zugenommen. Eines
Nachts wurden die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz brutal
angefallen, dutzende wurden verletzt und verhaftet, mindestens zwei
wurden ermordet. Das ägyptische Museum ist in eine Folterkammer
verwandelt worden, die Gefangenen zeigen grausame Wunden, Frauen
berichten von sexuellem Missbrauch.
Vorgestern
wurde Maikel Nabil, ein ägyptischer Blogger, zu einer dreijährigen
Gefängnisstrafe verurteilt, weil er sich in seinem Blog kritisch
über die Armee äußerte. Die ägyptischen Zeitungen zunehmend
negativ über die Demonstranten, sie werden als Arbeitslose und
Unruhestifter dargestellt. Viele Menschen auf der Straße betonen,
dass sie jetzt erst einmal bis zum Gerichtsurteil gegen Mubarak
abwarten wollen.
Armee bleibt
gespalten
Gleichzeitig
nehmen die Repressionen gegen Demonstranten zu. Seit Februar befindet
sich das Land unter Militärherrschaft, Mohammed Hussein Tantawi,
Mubaraks Ex-Verteidigungsminister, ist de facto Staatschef des
Landes. Von ihm kann man kaum Veränderungen erwarten.
Es gibt
allerdings sehr wohl Soldaten, die die Revolution unterstützen.
Letzten Freitag erschienen acht Offiziere auf der dem Tahrirplatz, um
ihre Solidarität mit den Demonstranten zu zeigen. Laut Augenzeugen
wurden die meisten von ihnen verhaftet, mindestens ein Offizier wurde
von der Armee hingerichtet.
»Wir werden
zurückkommen.«
Diese
Konflikte führen dazu, dass die Stimmung auf dem Platz immer
angespannter wird. Menschen werden willkürlich verdächtigt, Diebe
oder »baltagiyya«, Söldner für Mubarak, zu sein. In dieser
angespannten Atmosphäre gelang es einigen Umstehenden, die
Straßensperren rund um den Tahrir-Platz aufzuheben, so dass der
Verkehr langsam wieder um den Platz kommen konnte.
Kurz danach
erschien wieder eine Gruppe von Soldaten zwischen den Demonstranten.
Sie wurden mit Pfiffen und Applaus empfangen. Diesmal wurden die
Soldaten allerdings von mindestens 4 Panzern voll Soldaten begleitet.
Während einige Soldaten durch die Menge liefen und vermeintliche
Diebe verhafteten, formten die übrigen Soldaten eine Menschenkette
rundum den Platz auf dem die Demonstranten saßen. Diese wurden Stück
für Stück entweder vertrieben oder verhaftet. In der Nacht war der
Platz vollständig von Demonstranten geräumt. Die Armee war immer
noch anwesend.
Die
umstehenden Menschen beobachteten die Ereignisse besorgt. Auf Fragen
reagierten sie zurückhaltend, sie hatten Angst in Anwesenheit der
Armee zu sprechen. Einer der umstehenden Männer erklärt: »Sie
haben alle Demonstranten auf dem Platz verhaftet, aber wir werden
zurückkommen.«
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