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19.11.12: Eurokrise |
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Kräfte bündeln für ein anderes Europa |
Zehn
Jahre nach dem ersten Europäischen Sozialforum trafen sich im
italienischen Florenz erneut tausende Aktivisten, um über
europaweiten Widerstand gegen Sozialabbau zu beraten. Corinna
Genschel war dabei
Mehr
als 4.000 Aktivistinnen und Aktivisten aus Europa und dem
Mittelmeerraum aus insgesamt 28 Ländern trafen sich vom 8. bis 11.
November im italienischen Florenz. Sie berieten über die dringend
notwendige Europäisierung der Proteste und des Widerstands, um
gemeinsam Strategien gegen Sparmaßnahmen, gegen jedwede neue Pläne
für eine neoliberale Fiskal- und Wirtschaftsunion, anzugehen.
»Firenze
10 + 10« fand zehn Jahre nach dem ersten europäischen Sozialforum
in Florenz statt, in einer völlig anderen historischen Situation.
Europaweit erleben wir derzeit einen historischen Angriff auf soziale
Rechte und die Demokratie.
EU
macht arm
Die
südeuropäischen Sozialstaaten und Volkswirtschaften sind so weit
zerstört, dass Armut, Massenarbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit und
gesellschaftliche Erosion wieder zum europäischen Alltag gehören.
Gleichermaßen findet eine Umverteilung von unten nach oben, von
armen zu reichen Ländern in einem Ausmaß statt, das eine
Neustrukturierung des Kapitalismus vermuten lässt.
Die
Krisenpolitik von EU, Troika und Bundesregierung zielt darauf ab,
diese Attacke gegen die Menschen europaweit in Form des Fiskalpaktes
zu verstetigen. Und trotz der Massenproteste, der Bildung neuer
Bündnisse und politischer Akteure wie in Griechenland sowie des
Entstehens neuer Solidaritätsnetzwerke: Sparhaushalte werden weiter
durchgepeitscht, gewählte Regierungen unter Druck gesetzt oder
notfalls auch abgesetzt, Proteste gewaltsam niedergeschlagen.
Gemeinsame
Perspektive entsteht
Bisher
fehlen gemeinsame Antworten, das Versprechen auf eine vielfältige,
aber schlagkräftige europäische Gegenmacht, die Kämpfe in Spanien,
Portugal und Griechenland wirkungsvoll unterstützen könnte. Die
Kämpfe gegen die Angriffe, für den Erhalt sozialer und
demokratischer Rechte, sind notwendig ungleichzeitig: zwischen Nord
und Süd, zwischen Armen und noch Erwerbstätigen, zwischen
nationalen und internationalen Bewegungen.
Dennoch:
schon eine Woche zuvor hatten sich hunderte Aktivistinnen und
Aktivisten aus verschiedenen Ländern auf Einladung der spanischen
M15-Bewegung in Madrid als »Agora99« zusammengefunden. »Wir sind
die Zukunft«, so war das Motto in Madrid. Denn wir sind diejenigen,
die den neuen Prozess von unten ausmachen: durch zentrale europäische
Aktionen gegen den gemeinsamen Gegner, durch Versammlungen und
verschiedene Formen von Widerstand.
Wille
zur Einheit der Vielen
Florenz
und Madrid zeigen deutlich das Bedürfnis, den Willen und die
Einsicht, dass wir nur gemeinsam weiterkommen, dass wir eine
europäische Widerstandsantwort von unten auf die autoritären und
anti-sozialen Maßnahmen und Vorhaben der Herrschenden finden müssen.
Unsere Antworten, auch das wurde deutlich, bedeuten die Erneuerung
der Demokratie: Occupy Democracy, Take the Square, Wir sind die
Zukunft.
Wir
können dankbar sein für die Initiative der italienischen
Genossinnen und Genossen, das Treffen in Florenz trotz des
Niedergangs des europäischen Sozialforumsprozesses auszurichten. Die
neue Situation erfordert alles zu probieren, was die gemeinsame
Diskussion und das Aushalten von Widersprüchen fördert und dadurch
das Gemeinsame möglich macht.
Widersprüche
aushalten
Konflikte
gab es selbstverständlich viele: Wer ist der Adressat unserer
Politik? Richte ich mich an Institutionen wie das Europaparlament, um
Forderungen durchzusetzen, oder nehme ich selbstverständlich den
Platz ein? Wie können gemeinsame europäische Standards und
Forderungen aussehen? Wo liegen kurzfristige Anforderungen und was
sind langfristige Strategien?
Am
Ende wird sicher nicht das eine Projekt stehen. Madrid und Florenz
machen auch deutlich, dass die verschiedenen Perspektiven notwendig
sind. Wir brauchen die unterschiedlichen Akteure und wir brauchen
noch viel mehr. Wichtig sind Vernetzung und gemeinsame Verständigung,
wichtiger noch die gemeinsame Praxis auf der Straße, wenn wir für
unsere Rechte eintreten, uns unser Recht nehmen.
Gemeinsame
Mobilisierungen
Am
Ende des Treffens in Florenz stand deswegen auch ein gemeinsamer
Mobilisierungsfahrplan bis Sommer 2013 mit drei zentralen
Mobilisierungen:
- die
Unterstützung des (süd) europäischen Generalstreik vom 14.
November
- eine
europaweite Mobilisierung zum EU-Frühlingsgipfel im März in
Brüssel
- sowie
zu einem großen Alternativengipfel (Altersummit) Anfang Juni in
Athen.
Wichtige
Forderungen in Florenz waren unter anderem der Stopp der
Austeritätspolitik, die Streichung illegitimer Schulden, eine
Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums von oben nach unten wie
auch ein die demokratische »Neugründung Europas« (Refounding
Europe). Daran muss weiter gearbeitet werden, die Forderungen müssen
mit Substanz und Inhalt gefüllt werden. Vielleicht bietet der Gipfel
der Alternativen (Altersummit) in Athen als genau dieser Ort.
Vorher
aber werden wir die Straßen von Brüssel füllen mit unserem
Widerstandsgeist gegen den gemeinsamen Gegner. Danach wird es weitere
Möglichkeiten des praktischen Zusammenkommens geben - ob bei
Blockupy 2.0. in Frankfurt Ende Mai, in den nächsten
Solidaritätsaktionen oder an ganz anderen Orten: Let's take the
square, let's fight for our rights.
Zur
Person:
Corinna
Genschel arbeitet für die Kontaktstelle soziale Bewegungen der
Fraktion DIE LINKE. im Bundestag und ist aktiv im Koordinierungskreis
von Blockupy Frankfurt.
Mehr im Internet:
Mehr auf marx21.de:
- Europa streikt gegen EU: In Griechenland, Portugal, Spanien, Zypern,
Malta und Italien streiken Millionen. Gegen Kürzungen ihrer Löhne und
Renten, gegen Sozialabbau und neue Sparpakete. In anderen Ländern gibt
es Solidaritätsaktionen - auch in Deutschland. marx21.de bringt
Meldungen von verschiedenen Schauplätzen
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