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Kommentar zum Lokführerstreik |
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Die Einheitsgewerkschaft ist kein Selbstzweck |
Von
Yaak Pabst, marx21-Redakteur
Der
Tarifkampf der ältesten deutschen Gewerkschaft hat auch
innerhalb der Partei der Linken zu Diskussionen geführt. Manche
befürchteten die Aufsplitterung einer Branche in mehrere
konkurrierende Gewerkschaften mit unterschiedlichen
Tarifvertragssystemen. Klar ist: Ein einheitlicher Kampf aller
Bahnbeschäftigten wäre besser als ein Teilkampf nur der
kampfstarken Bataillone. Aber wenn die Einzelgewerkschaft ein ums
andere Mal Lohnsenkungen, Arbeitszeitverlängerungen und
schlechtere Arbeitsbedingungen akzeptiert, ist es nur verständlich,
dass sich „kampfstarke Sektionen“ dagegen wehren. Einheit ist
kein Selbstzweck, sondern soll die Zersplitterung und Konkurrenz der
Arbeiter untereinander aufheben, um so ihre Kampfkraft zu erhöhen.
Einheit in der Untätigkeit und in der Kapitulation nutzt nur den
zukünftigen Aktionären und demoralisiert die Kolleginnen
und Kollegen. Kampfkraft wächst im Kampf.
Die
Serie von Kämpfen angeblich oder tatsächlich privilegierter
Gruppen von Arbeitnehmern wie der Piloten, der Ärzte oder jetzt
der Lokführer ist Ausdruck des Niedergangs und der Kapitulation
der DGB-Gewerkschaften in den letzten Jahren unter dem Einfluss der
SPD. In keinem anderen großen Industrieland sind die Löhne
und Gehälter stärker gefallen als hierzulande. Damit trägt
Deutschland die Fahne im Wettlauf von Löhnen und Sozialleisten
nach unten und setzt andere Kapitalisten und deren Arbeitnehmer unter
Druck. Deswegen hat Oskar Lafontaine Recht, wenn er schreibt: „Der
Tarifstreit bei der Bahn und die breite Unterstützung der
Belegschaft für einen Streik der Lokomotivführer sollte dem
DGB und seinen Gewerkschaften Anlass sein, über ihre
Kampfmethoden nachzudenken.“ Innerhalb der Gewerkschaften sind es
Vorsitzende wie Norbert Hansen von Transnet oder Hubertus Schmold von
der IGBCE, die aber weiterhin an der Politik der Sozialpartnerschaft
festhalten anstatt den Klassenkampf von unten zu organisieren. Die
Aufgabe der Partei DIE LINKE ist es nicht, ihnen die Stange zu
halten, sondern alle Kämpfe zu unterstützen, die der
Politik der Kapitulation ein Ende bereiten können. Wenn ein Zug
auf einen Abgrund zurast, sollten wir nicht diejenigen kritisieren,
die vorher abspringen.
Die
Frage stellt sich anders herum: Wie kann die durch Transnet zu
verantwortende Spaltung der Tarifgemeinschaft Bahn wieder eine
kämpferische Einheit werden. Nicht Unterschriftenaktionen zum
Streikbruch, sondern Solidaritätsaktionen der übrigen
Bahnbeschäftigen mit den Streikenden wären ein erster
Schritt dahin, die Gräben zuzuschütten. Eine Niederlage der
GDL wäre kein Sieg für die anderen Bahnbeschäftigten,
sie nutzt nur den Bossen und würde die Verbitterung des
Zugpersonals über Transnet nur vergrößern.
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