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Sudan | Drucken |
Truppen bringen keine Frieden
Bilder von überfüllten Flüchtlingslagern, verzweifelte Menschen - die Situation im Sudan ruft diejenigen auf den Plan, die wieder nach einer Militärintervention rufen. Christine Buchholz setzt sich mit ihren Argumenten auseinander.

Alle Parteien im Bundestag bis auf die LINKE begrüßten die im Juli 2007 vom UN-Sicherheitsrat beschlossene Resolution 1769 (UNAMID-Mission). Sie ermöglicht den größten Einsatz in der UN-Geschichte. Bis zu 26.000 Soldaten und Polizisten sollen im Sudan eingesetzt werden.

Während die Merkel-Regierung es ablehnt, über das bisherige Engagement in dem ostafrikanischen Land hinaus deutsche Bodentruppen zu schicken, spielen Politiker der Grünen mit dem Gedanken, die deutsche Beteiligung an diesem Kampfeinsatz auszuweiten.

Wie schon vor den Angriffen auf Serbien, den Irak und andere Länder wird mit Halbwahrheiten und Lügen gearbeitet. Ein weiteres Mal geht der Ruf nach Militär an den eigentlichen Problemen und möglichen Lösungen vorbei.

Argument Nummer eins: Wir müssen eingreifen, um einen ethnisch und religiös motivierten Konflikt zwischen arabischen Reitermilizen und Schwarzafrikanern zu entschärfen.
Der Konflikt in Darfur ist kein religiöser Konflikt. Zwar versuchen alle Milizen, wie auch die Regierung in Khartum, ethnische Differenzen zum eigenen Vorteil auszunutzen. Die Bruchlinien verlaufen dabei aber quer durch die Stämme, und nicht zwischen schwarzer und weißer Bevölkerung.

Über die Auseinandersetzungen in Darfur schreiben die Außenpolitiker der Linksfraktion Norman Paech und Paul Schäfer, die das Land im Oktober 2006 bereisten: „Bei allen Parteien handelt es sich um Muslime. Der Grundkonflikt ist Generationen alt und besteht zwischen sesshaften Bauern und wandernden Viehnomaden um Wasser und Weiseflächen, auf beiden Seiten sind 'Araber' und 'Afrikaner'. Diese Konflikte verschärfen sich in Zeiten der Dürre."

Argument Nummer zwei: Die Menschen im Sudan wollen unsere Hilfe.
Dem widerspricht der Sudan-Experte Stefan Kröpelin von der Uni Köln, der die Region seit vielen Jahren und ebenfalls 2006 besuchte. Er schreibt, dass die bisherige UN-Mission im Sudan (UNMIS), „bei den wenigsten Sudanesen auf Gegenliebe stößt". Die Blauhelme selbst wüssten „kaum, wo und wofür sie da sind." Die betroffene Bevölkerung erhält von ihnen weder Schutz noch Hilfe. Die UNMIS-Soldaten überwachen die Einhaltung von Friedensabkommen, die nur auf ausländischen Druck hin zustande gekommen sind, den Interessen der Unterzeichner nicht entsprechen und zwischen Parteien geschlossen wurden, die es großenteils in dieser Form nicht mehr gibt.

Argument Nummer drei: Man darf nicht die Augen von dem Leid verschließen und muss sich von den Realitäten vor Ort und nicht von abstrakten Prinzipien leiten lassen.
Die außenpolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion Kerstin Müller argumentierte, dass das robuste Mandat der UN für Darfur ein wichtiger Schritt sei, um den Völkermord zu beenden. Es sei nicht akzeptabel, einfach „den Kopf in den Sand zu stecken." Dieser Einwand, den Befürworter eines UN-Militäreinsatzes oft vorbringen, lässt sich passend gegen sie wenden. Der Ruf nach der Militärmission täuscht über die Tatsache hinweg, dass keiner der Interventions-Befürworter einen Plan davon hat, wie die dem Konflikt zugrunde liegenden Ursachen in dem Land zu bekämpfen sind. Als wichtigste sind hierbei die grassierende Armut und der Wassermangel im Darfur zu nennen.

Eine politische Lösung der Probleme des Landes muss sicherstellen, dass der Reichtum des Landes auch die abgelegenen Regionen erreicht. Erst wenn der Bevölkerung des ganzen Sudan ein existenzsicherndes Auskommen findet, wird den ethnisch aufgeladenen Konflikten im Darfur und anderen Regionen der Boden entzogen. Die Verträge, die die Regierung in Khartum mit China geschlossen hat, bringen reichlich Geld, das für die Bekämpfung der Armut eingesetzt werden könnte. Eine gerechtere Verteilung des Reichtums kann nur von unten, im gemeinsamen Kampf der unterdrückten Sudanesen aller Ethnien gegen das Regime des Diktators El-Bashir erzwungen werden. Dieser Widerstand aber würde durch eine imperialistische Intervention von außen massiv geschwächt werden.

Der Westen setzt auf Spaltung

Die westliche Strategie in Darfur ist nicht von den Bemühungen um die Sezession des ressourcenreichen Südens zu trennen. Den USA und der EU geht es darum, durch die Schwächung des sudanesischen Zentralstaates den Einfluss der chinesischen Rivalen im Wettlauf um die Rohstoffe Afrikas zurückzudrängen.

Diese Strategie des „Teile und Herrsche" blockiert die Entwicklung des Sudan seit mehr als hundert Jahren - seit die britische Kolonialverwaltung am Ende des 19. Jahrhunderts den ehemals relativ wohlhabenden Darfur nach der Niederringung der dortigen Stämme von jedem Einfluss auf die Entscheidungen im Zentrum des Landes abschnitt.

Die Briten kamen damit durch, weil sie sich mit den französischen Kolonisatoren über die Aufteilung Afrikas einig wurden. Doch das stärker werdende China wird nicht einfach zugucken, wie der Sudan zerschlagen wird und so der eigene Einfluss schwindet. Die Entsendung einer vom Westen dominierten UN-Truppe nach Darfur kann in Peking gar nicht anders als ein Schritt in diese Richtung verstanden werden. Die UN-Mission nach Darfur trägt insofern nicht zur Beilegung des bestehenden Konfliktes bei, sondern droht ihn weiter zu eskalieren. Sie könnte sich im Nachhinein als entscheidender Schritt hin zu einem Stellvertreterkrieg im Stile des Kalten Krieges erweisen, an dem nicht nur wie bisher regionale, sondern auch globale Mächte beteiligt wären.

Das Leiden der Menschen im Sudan ist nur ein vorgeschobenes Argument, um die Akzeptanz für ein militärisches Vorgehen zu erhöhen. Deswegen sollte DIE LINKE den UN-Einsatz im Sudan auch in Zukunft ablehnen.

Zur Person:
Christine Buchholz ist Mitglied des geschäftsführenden Parteivorstandes von DIE LINKE.
 
 
 
AKTUELLES HEFT
marx21, Heft 25, April – Juni 2012: Titelthema: Occupy! Wir sind alle Griechen.

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