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Schwerpunkt: Gewerkschaften im Klassenkampf |
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Die Gewerkschaften könnten stärker
sein, wenn sie sich ihrer Wurzeln besinnen würden. Yaak Pabst
wirft einen Blick zurück in die Gründungsphase der
Arbeitnehmerorganisationen und beschreibt, wie Marxisten die gewerkschaftliche Bewegung analysierten.
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Im September 1848 gründen Berliner
Tabakarbeiter die „Association der Cigarrenarbeiter Deutschlands"
- eine der ersten zentral organisierten Gewerkschaften hierzulande.
Sie setzen sich für ein Verbot der Kinderarbeit ein
und wollen die mangelhafte Bildung ihrer Mitglieder beheben. Außerdem
fordern sie einen Mindestlohn für die Akkordarbeit. Seitdem hat sich viel verändert.
Die deutschen Gewerkschaften haben viele soziale Verbesserungen,
Umwelt- und Gesundheitsstandards erkämpft. Mittlerweile gehören
sie zu den größten Interessenzusammenschlüssen des
Landes. 6,8 Millionen Arbeitnehmer sind in Deutschland
gewerkschaftlich organisiert.
Auch die Bedingungen, unter denen
Menschen arbeiten, sind nicht mehr dieselben wie vor 150 Jahren. Neue
Berufe sind entstanden, andere ausgestorben. Die „klassischen"
Industriearbeiter stellen schon lange nicht mehr die Mehrheit
innerhalb der Arbeiterklasse dar. Jeans und T-Shirt, Schlips und
Anzug sind dem Blaumann gewichen. Nicht mehr unter Tage, sondern vorm
Computermonitor verkaufen Arbeitnehmer heute ihre Arbeitskraft.
Anderseits haben sich einige
grundsätzliche Aspekte seit der Frühzeit der
Gewerkschaftsbewegung im 19. Jahrhundert nicht verändert. Sich
darauf zu besinnen könnte zur Stärkung der heutigen
Gewerkschaftsbewegung beitragen. Denn sie steckt seit einigen Jahren
in der Krise. Seit den neunziger Jahren haben die deutschen
Gewerkschaften über vier Millionen Mitglieder verloren. Zentrale
Errungenschaften - wie der Flächentarifvertrag oder die
35-Studen-Woche - werden nach und nach von den Arbeitgebern
ausgehöhlt. Zwei, die sich schon sehr früh mit
der damals neuen Form von Arbeiterorganisierung auseinandergesetzt
haben, waren Karl Marx und Friedrich Engels. Vieles, was sie
geschrieben haben, besitzt auch heute noch Gültigkeit und könnte
den Gewerkschaften als Leitfaden dienen.
Kampforganisation der Klasse
Die Gründung der ersten
Gewerkschaften 1829 in England war eine Reaktion von Arbeitern auf
ihre Ausbeutung im frühen Kapitalismus. Friedrich Engels
beschrieb die Arbeits- und Lebensbedingungen des englischen
Proletariats im Jahr 1845 in dem Buch „Die Lage der arbeitenden
Klasse in England". Gleichzeitig untersuchte er die Erfahrungen von
Arbeitern, die sich zusammenschlossen, um gemeinsam für ihre
Interessen zu kämpfen. Er schreibt: „Man wird fragen, weshalb
denn die Arbeiter in solchen Fällen, (...) die Arbeit
einstellen? Einfach, weil sie gegen die Herabsetzung des Lohns und
selbst gegen die Notwendigkeit dieser Herabsetzung protestieren
müssen, weil sie erklären müssen, dass sie, als
Menschen, nicht nach den Verhältnissen sich zu schicken, sondern
dass die Verhältnisse sich nach ihnen, den Menschen, zu richten
haben; weil ihr Stillschweigen eine Anerkennung dieser Verhältnisse,
eine Anerkennung sein würde des Rechtes der Bourgeoisie, während
guter Handelsperioden die Arbeiter auszubeuten und sie in schlechten
Zeiten verhungern zu lassen. Die Arbeiter müssen dagegen
protestieren, solange sie noch nicht alles menschliche Gefühl
verloren haben (...)."
Für Marx und Engels machten die
kapitalistischen Machtverhältnisse die Taktik des
gewerkschaftlichen Zusammenschlusses zu einer Notwendigkeit für
die Arbeiterklasse. Denn die Interessen von lohnabhängig
Beschäftigten nach einem gerechten Lohn und die des Unternehmers
nach einem möglichst hohen Profit stehen in einem
unüberbrückbaren Widerspruch zu einander. Doch indem sich
Arbeiternehmer in Gewerkschaften organisieren, stehen sie dem Kapital
nicht mehr ohnmächtig gegenüber. Engels erklärt: „Wenn
aber die Arbeiter eines ganzen Gewerbes eine mächtige
Organisation bilden (...) und sich dadurch in die Lage versetzen, als
eine Macht mit den Unternehmern zu verhandeln, dann und nur dann
haben die Arbeiter Aussicht, wenigstens das bisschen zu erhalten, das
bei der ökonomischen Struktur der gegenwärtigen
Gesellschaft als ein gerechter Tagelohn für ein gerechtes
Tagewerk bezeichnet werden kann. (...) Nur die Furcht vor den Trade
Unions [Gewerkschaften] kann den Kapitalisten zwingen, dem Arbeiter
den vollen Marktwert seiner Arbeitskraft zu zahlen." Durch ihre
Stellung im Produktionsprozess besitzen lohnabhängig
Beschäftigte eine Waffe gegen die Schikanierung und Ausbeutung
durch ihren Arbeitgeber. Wenn sie kollektiv streiken, liegt die
gesamte Produktion lahm. Da die Ausbeutung der Beschäftigten in
der Produktion die Grundlage des Profits ist, trifft ein Streik die
Unternehmer an ihrer schwächsten Stelle.
Marx und Engels waren der Ansicht, dass
die Gewerkschaften dabei helfen die durch die Konkurrenz in die
Arbeiterklasse verursachten Spaltungen zu überwinden. Engels
hierzu: „Was aber diesen Assoziationen [Gewerkschaften] und den aus
ihnen hervorgehenden Turnouts [Streiks] die eigentliche Wichtigkeit
gibt, ist das, dass sie der erste Versuch der Arbeiter sind, die
Konkurrenz aufzuheben. Sie setzen die Einsicht voraus, dass die
Herrschaft der Bourgeoisie nur auf der Konkurrenz der Arbeiter unter
sich beruht, d.h. auf der Zersplitterung des Proletariats, aus der
Entgegensetzung der einzelnen Arbeiter gegeneinander. Und gerade weil
sie sich, wenn auch nur einseitig, nur auf beschränkte Weise
gegen die Konkurrenz, gegen den Lebensnerv der jetzigen sozialen
Ordnung richten, gerade deshalb sind sie dieser sozialen Ordnung so
gefährlich. Der Arbeiter kann die Bourgeoisie und mit ihr die
ganze bestehende Einrichtung der Gesellschaft an keinem wunderen
Fleck angreifen als an diesem."
Das gilt auch noch heute für jeden
Bereich der Wirtschaft. Dies zeigte beispielsweise der Streik der
Lokführer. Nach Schätzungen des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung (DIW) bedeutete alleine ein Vollstreik des
Güterverkehrs einen wirtschaftlichen Ausfall von bis zu 500
Millionen Euro pro Tag.
Diese ökonomische Funktion des
gewerkschaftlichen Kampfes war ein Grund, weshalb Marx und Engels die
Gründung von Gewerkschaften befürworteten. Ihnen war klar,
dass der gewerkschaftliche Kampf nicht den Kapitalismus als ganzes
abschaffen würde. Trotzdem täten die Gewerkschaften „gute
Dienste als Sammelpunkte des Widerstands gegen die Gewalttaten des
Kapitals", so Marx.
Klasse für sich
Ein weiterer Grund warum Marx und
Engels sich positiv auf Gewerkschaften und Streiks bezogen, hing mit
ihrer Vorstellung davon zusammen, wie sich in der Arbeiterklasse
Klassenbewusstsein entwickelte. Oder wie Marx es ausdrückte: wie
die Arbeiterklasse von einer „Klasse an sich" zu einer „Klasse
für sich" werden konnte - einer Klasse, die sich ihrer
eigenen Lage im Kapitalismus bewusst ist und auf seine revolutionäre
Überwindung hinarbeitet. Im Zentrum dieser Überlegung steht
die Selbstemanzipation der Arbeiter. Marx und Engels schreiben in
einem Brief an die Mitbegründer der SPD Wilhelm Liebknecht und
August Bebel: „Wir haben bei der Gründung der Internationalen
ausdrücklich den Schlachtruf formuliert: Die Befreiung der
Arbeiterklasse muss das Werk der Arbeiterklasse selbst sein. Wir
können also nicht zusammengehen mit Leuten, die es offen
aussprechen, dass die Arbeiter zu ungebildet sind, sich selbst zu
befreien und erst von oben herab befreit werden müssen durch
philanthropische Groß- und Kleinbürger."
Wie aber können Sozialisten
erwarten, dass die Arbeiterklasse mit ihrem teilweise rückständigen
Bewusstsein den Kapitalismus stürzen wird? Die Antwort von Marx
und Engels darauf war: Die Arbeiterklasse muss sich selbst verändern,
bevor sie die Macht übernehmen kann. Aber diese Veränderung
entsteht nicht durch die Aktionen von einzelnen
Führungspersönlichkeiten, durch den Entwurf des richtigen
Programms einer Partei oder den genauen ausgearbeiteten Plan einer
Gruppe Intellektueller. Die Masse der Arbeiter werden, wie es der
amerikanische Marxist Hal Draper ausdrückt, „nur durch den
eigenen Kampf zum Regieren geeignet werden - eine Reihe von Kämpfen
gegen unerträgliche Umstände, um die Umstände zu
ändern und deshalb sich selbst zu ändern."
Die Masse der Arbeiter und Angestellten
lernt in erster Linie nicht aus Büchern, sondern durch den
gemeinsamen Kampf. In ihrer Schrift „Die deutsche Ideologie"
verdeutlichen Marx und Engels diese Vorstellung. Ihr Auffassung war
es, „dass sowohl zur massenhaften Erzeugung dieses kommunistischen
Bewusstseins wie zur Durchsetzung der Sache selbst eine massenhafte
Veränderung der Menschen nötig ist, die nur in einer
praktischen Bewegung, in einer Revolution vor sich gehen kann; dass
also die Revolution nicht nur nötig ist, weil die herrschende
Klasse auf keine andere Weise gestürzt werden kann, sondern
auch, weil die stürzende Klasse nur in einer Revolution dahin
kommen kann, sich den ganzen alten Dreck vom Halse zu schaffen und zu
einer neuen Begründung der Gesellschaft befähigt zu
werden."
Marx und Engels sahen die
Gewerkschaften als erste Klassenorganisationen der Arbeiter. Sie
sahen die Gewerkschaften als Orte, in denen die Arbeiterklasse
beginnt sich zu organisieren und unabhängig als Klasse zu
handeln. In den gewerkschaftlichen Kämpfen üben die
Arbeiter sich gegen die Herrschaft des Kapitals zu behaupten. Sie
lernen, neben dem ökonomischen auch den politischen Kampf zu
führen. Hierin liege zugleich der Keim für die Schaffung
einer wirklich demokratischen Gesellschaft, die sich nach den
Bedürfnissen der Menschen richtet und nicht nach der
Profitlogik. Denn im gemeinsamen Kampf erfahre man gemeinsame Stärke,
Solidarität. Dies ist das Grundprinzip jeder gewerkschaftlichen
Aktion. Ohne Solidarität würde jeder Streik scheitern. Die
Beteiligten merken, dass jeder von ihnen nicht nur ein kleines
Rädchen ist. Das daraus entstehende Selbstbewusstsein ist die
emanzipatorische Kraft, vor der sich die Mächtigen dieser Welt
so fürchten.
Kleinkrieg statt Befreiung
Wegen dieser Stärken treten
Arbeiter auf der ganzen Welt in Gewerkschaften ein. Sie bezahlen
einen Teil ihres Lohns für die Gewerkschaft und sorgen so dafür,
dass diese kampffähig bleibt. Im Vergleich zu Marx' und
Engels' Zeiten sind die Gewerkschaften heute riesige
Organisationen. Weltweit sind etwa 170 Millionen gewerkschaftlich
organisiert. Objektiv gesehen ist das Potential für eine
gewerkschaftliche Organisierung sehr groß. Mehr Menschen als
jemals zuvor leben unter dem Zwang, die eigene Arbeitskraft verkaufen
zu müssen.
Viele Dinge wurden in der Vergangenheit
von den Arbeitern mit Hilfe der Gewerkschaften erkämpft:
Arbeitsverträge mit geregelter Arbeitszeit und festem Gehalt,
Überstundenzuschläge, bezahlte Pausen und Urlaubs- und
Weihnachtsgeld, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Maßnahmen
zur Sicherheit am Arbeitsplatz. Trotz dieser vergangenen Erfolge und
der zahlenmäßigen Stärke haben Gewerkschaften auch
drei grundsätzliche Schwächen. Zum einen beschränken
sie sich darauf die Lebensbedingungen der Arbeiter im Kapitalismus zu
verbessern und kämpfen nicht für seine Abschaffung. Marx
schrieb in seinem Werk „Lohn, Preis, Profit": Die Gewerkschaften,
„verfehlen ihren Zweck gänzlich, sobald sie sich darauf
beschränken, einen Kleinkrieg gegen die Wirkungen des
bestehenden Systems zu führen, statt gleichzeitig zu versuchen,
es zu ändern, statt ihre organisierten Kräfte zu gebrauchen
als einen Hebel zur schließlichen Befreiung der
Arbeiterklasse."
Zum anderen sind sie nicht
Organisationen der gesamten Arbeiterklasse sondern nur eines Teils
der Klasse. Oft organisieren sie nur bestimmte Berufsgruppen und
spiegeln damit die Spaltungen innerhalb der Arbeiterklasse im
Kapitalismus wieder - zwischen Angestellten, Arbeitern und Beamten,
zwischen den einzelnen Berufsgruppen und auch zwischen
Arbeitsplatzbesitzern und Arbeitssuchenden. Das prägt die
gewerkschaftliche Politik genauso wie die Tatsache, dass die
Gewerkschaft eine breite Masse von Arbeitern mit ganz
unterschiedlichem Bewusstsein zusammenbringt. Leo Trotzki meinte
hierzu: „Je breiter die Massen, desto leichter fällt es der
Gewerkschaft ihre Aufgabe zu vollbringen. Aber was die Organisation
an Breite gewinnt, verliert sie unausweichlich an Tiefe.
Opportunistische, nationalistische, religiöse Neigungen
innerhalb der Gewerkschaften und ihrer Führung bringen die
Tatsache zum Ausdruck, dass die Gewerkschaft nicht nur den Vortrupp
umfassen, sondern auch die schwerfälligen Reserven. Die schwache
Seite der Gewerkschaften kommt also von ihrer starken Seite."
Diese beiden Schwächen führen
zu einer dritten. Die Gewerkschaften, die Gewerkschaftsfunktionäre
und oft auch eine die Mehrheit der Gewerkschaftsmitglieder,
akzeptieren die ideologische Trennung zwischen Politik und Ökonomie.
Die Gewerkschaften sind demnach nur zuständig für den
ökonomischen Schutz der Arbeiter. Für politische Fragen
sind die Parteien zuständig. Nicht nur in Deutschland ist diese
Arbeitsteilung historisch zwischen der Sozialdemokratie und den
Gewerkschaften gewachsen. Der britische Marxist Tony Cliff schreibt
dazu: „Die Ausdehnung des Kapitalismus durch den Kapitalismus
machte es für die Gewerkschaften und die sozialdemokratischen
Parteien möglich, Zugeständnisse für die Arbeiter vom
Kapitalismus zu entreißen, ohne ihn zu stürzen. Das führt
zur Entstehung einer großen reformistischen Bürokratie,
die wiederum als Bremse gegen revolutionäre Tendenzen der
Arbeiterklasse wirkt. (...) Diese Bürokratie will den
Kapitalismus nicht stürzen sondern prosperieren lassen. Sie
sieht in den Arbeiterorganisationen keine revolutionäre Kraft,
sondern ein reformistisches Druckmittel. Diese Bürokratie ist
der wichtigste Ordnungsfaktor der Arbeiterklasse im Interesse der
Kapitalisten. Sie ist eine zentrale konservative Kraft im modernen
Kapitalismus." In diesem Kontext spricht der
Gewerkschaftstheoretiker Rainer Zoll vom „Doppelcharakter der
Gewerkschaften". Zoll zufolge bilden die Gewerkschaften „eine
Gegenmacht der Arbeiter zur Macht des Kapitals, aber sie sind auch
Ordnungsfaktor, denn sie organisieren die Arbeiter - und das heißt:
‘ordnen' sie -, sie kanalisieren ihre Wut, ihre Revolte und
ihre Ohnmacht. Ordnungsfaktor und Gegenmacht - das ist keine
Alternative gewerkschaftlicher Existenz, denn Gewerkschaften sind
immer beides"
Dieser Doppelcharakter von Gegenmacht
und Ordnungsfaktor entsteht aus der Rolle der Gewerkschaften als
Vermittler zwischen den zwei Hauptklassen im Kapitalismus. Um als
Vermittler auftreten zu können, bedarf es einer Arbeitsteilung
innerhalb der Gewerkschaften zwischen der Masse der Arbeiter und
Personen, die ihre Zeit mit Verhandlungen mit den Arbeitgebern
verbringen: den Gewerkschaftsfunktionären. Letztere haben eigene
Interessen, die sie nicht automatisch im Einklang mit den Arbeitern
verfolgen. Höhere Gewerkschaftsfunktionäre verdienen
wesentlich besser als die normalen Gewerkschaftsmitglieder und
pflegen einen anderen Lebensstil. Ihr eigenes Schicksal sehen sie in
erster Linie mit den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen
verbunden. Im Zweifelsfall, das zeigt die Geschichte, werden sie die
bestehenden Verhältnisse verteidigen. Der Widerspruch von Gegenmacht und
Ordnungsfaktor prägt die Gewerkschaften bis heute und führt
immer wieder zu Spannungen zwischen der Gewerkschaftsbürokratie
und den Basismitgliedern. Es ist jedoch wichtig, die
Gewerkschaftsbürokratie nicht als homogen Block zu betrachten:
Gewerkschaftsfunktionäre befinden sich in verschiedenen
Branchen unter unterschiedlichem Druck durch Basis und Unternehmer.
Auch ihre politischen Einstellungen spielen eine Rolle.
Die Gewerkschaften sind also weit
entfernt davon, einen monolithischen Block zu bilden. Sie sind
vielmehr ein Ort ständiger Diskussionen um unterschiedlicher
Positionen. Die heutigen Gewerkschaften sind wie gefesselte Riesen
mit teilweise stark erschlafften Muskeln und schlechter Koordination.
Große Teile des Körpers und der Zellen haben vergessen,
welche Kraft der Riese entwickeln kann. Um wieder Muskeln zeigen zu
können, müssen sie zu ihren Wurzeln zurückkehren und
wieder zu Organisationen des Klassenkampfes werden. Aktivistinnen und Aktivisten der neue Linken können dabei eine wichtige Rolle spielen: Indem sie die sozialpartnerschaftliche Orientierung der Gewerkschaftsführungen entgegentreten und sich für den Aufbau und die Stärkung von Basisstrukturen wie beispielsweise Vertrauensleutekörperschaften und unabhängigen Betriebszeitungen in den Betrieben einsetzten.
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