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9. Februar: Jugendarbeitslosigkeit |
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Das
System der Dualen Berufsausbildung ist in der Krise. Es gibt zu
wenige Ausbildungsplätze, und es gibt noch weniger qualifizierte
Ausbildungsplätze. Ein Kommentar von Horst Haenisch
Die Bundesregierung hat ein Programm aufgelegt, wonach bis zum Jahr 2010
350 Millionen Euro an Betriebe überwiesen werden, die solche
Schulabgänger einstellen, welche bisher ohne betriebliche oder
schulische Berufsausbildung im sogenannten Übergangssystem
geparkt werden.
Je Lehrling aus dem Übergangssystem sollen,
abhängig von der Höhe des Ausbildungsentgeltes, einmalig
zwischen vier- bis sechstausend Euro an den Ausbildungsbetrieb
gezahlt werden.
Die SPD hält sich zugute, dies gegen den Widerstand der
Unionsparteien in der Koalition durchgesetzt zu haben.
Jedes Jahr enden etwa eine halbe Million Schulabgänger im
Übergangssystem. Gemessen daran, sind die 23.000
Ausbildungsplätze, die theoretisch jährlich durch den
Ausbildungsbonus geschaffen werden könnten, weniger als ein
Tropfen auf den heißen Stein.
Aber nicht einmal dazu wird es kommen. Denn im Übergangssystem
befinden sich genügend Jugendliche mit guten Hauptschul- oder
Realschulabschlüssen, die leicht eine Lehrstelle fänden,
wenn es denn genügend Lehrstellen gäbe. Der
Ausbildungsbonus wird dazu führen, dass sich die
Ausbildungsbetriebe aus diesem Reservoir bedienen und die
Bonuszahlung von vier- bis sechstausend Euro mitnehmen, ohne dass ein
einziger neuer Ausbildungsplatz entsteht.
Mit dem zunehmendem Mangel an Ausbildungsplätzen ist in den letzten
Jahren ein Bereich neben dem Dualen System entstanden und ständig
gewachsen, das sog. Übergangssystem, in dem Jugendliche ohne
betriebliche oder schulische Berufsausbildung zeitweise untergebracht
werden.
Das Übergangssystem setzt sich aus mehreren Programmen und Maßnahmen zusammen. Aus (Die Anzahl der Teilnehmer steht in Klammern /
Zahlen von 2004):
- dem 2004 ausgelaufenen
Jugendsofortprogramm und den berufsvorbereitenden Maßnahmen der
Bundesanstalt für Arbeit (116.000)
- den Schülern ohne
Ausbildungsvertrag an Berufsschulen (33.000)
- dem schulischen
Berufsvorbereitungsjahr, sofern es nicht als erstes Jahr einer dualen
Ausbildung anerkannt wird (63.000)
- den Schüler an
Berufsfachschulen, denen kein Abschluss vermittelt wird (182.000)
- dem Berufsgrundbildungsjahr (43.000)
- und sonstigen schulischen
Bildungsgängen (50.000).
Die Zahl der hier "geparkten"
Jugendlichen ist etwa so groß, wie die Zahl der Jugendlichen im
Dualen System, eine halbe Million jährlich. Und sie wächst.
Bezeichnenderweise
gibt es keine Statistik über die Ausgaben für das
Übergangssystem. Einzig die Ausgaben der Bundesanstalt für
Arbeit für das Übergangssystem sind bekannt und eindeutig
zuzuordnen. Sie beliefen sich auf jährlich zwischen 4,5 Mrd. €
(2005) bis 5,5 Mrd. € (2003) aus Steuergeldern.
Aber auch in
Schulen und Berufsschulen sowie in Berufsfachschulen werden Maßnahmen
für Jugendliche ohne duale oder schulische Berufsausbildung
durchgeführt. Hinzuzurechnen sind ferner die Kosten für das
Berufsgrundbildungsjahr, sofern dieses nicht in einer späteren
Berufsausbildung angerechnet wird. Diese Kosten für das
Übergangssystem gehen in den Kosten für die jeweiligen
Bildungsträger unter. Die jährlichen Kosten für das
Übergangssystem dürften sich daher auf deutlich über 6
Mrd. € belaufen. Gemessen daran sind die 117 Millionen €
jährlicher Ausbildungsbonus lächerlich.
Da
werden erst 6 Mrd. jährlich ausgegeben, um Schulabgänger im
Übergangssystem abzuladen, und dann sollen noch einmal 117 Mio.
nachgelegt werden, um sie da wieder rauszuholen. Was für eine
Schildbürgerpolitik! Wäre es nicht besser, diese Milliarden
für den Aufbau von überbetrieblichen staatlichen
Lehrwerkstätten einzusetzen, die eine qualifizierte
Berufsausbildung vermitteln?
Das
System der Dualen Berufsausbildung ist in der Krise. Es gibt zu
wenige Ausbildungsplätze, und es gibt noch weniger qualifizierte
Ausbildungsplätze. Sozialisten fordern, anstatt die Unternehmer
zu subventionieren, anstatt Milliarden für das Übergangssystem
zu verschleudern: eine qualifizierte Berufsausbildung in
überbetrieblichen staatlichen Lehrwerkstätten für
jeden Jugendlichen, der im Dualen System keine qualifizierte
Ausbildung findet.
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