|
 |
 |
 |
 |
| |
|
15.06.09: Proteste für bessere Bildung |
| Drucken |
|
Der bundesweite Bildungsstreik in über 80 Städten hat begonnen. 150.000 Teilnehmer werden erwartet.
Im ganzen Bundesgebiet finden
Kundgebungen, Debatten und Besetzungen an Bildungseinrichtungen
statt. Die Betroffenen der Bildungsmisere setzen sich zur Wehr und
gestalten ihre Bildung neu: Inhaltliche Auseinandersetzung gepaart
mit vielfältigem Protest. Am Mittwoch werden dezentrale
Demonstrationen in ganz Deutschland stattfinden.
Erste Besetzungen und Blockaden von Universitäten
Am Montag wurden bereits in
Heidelberg, Berlin und Hamburg Universitätsgebäude besetzt.
In Wuppertal und Bochum blockierten Studierend das
Universitätsgebäude. In München, Trier, Flensburg,
Münster, Saarbrücken, Marburg, Würzburg, Freiburg,
Bielefeld wurden Protestcamps mit alternativen Lernveranstaltungen
eröffnet. In Düsseldorf findet ein Sit-In vor der
Staatskanzlei statt, in Stuttgart eine Kundgebung. Jedem Studierenden
wird in Weingarten ein symbolischer Beitrag von 20 Cent für
Skripte zurückgezahlt. »Unser Unterricht stinkt«
heißt es bei Aktionen in Duisburg und Essen. In Greifswald
schlug der »Exmatrikulator« zu und entfernte
zahlugsunfähige Studierende aus Seminaren.
Bildungstreik: 150.000 erwartet
In über 90
Städten findet der Bildungstreik statt, über 150.000 Teilnehmer werden erwartet. Ben
Stotz, Mitglied im Bundesvorstand des Studierendenverbandes Die
Linke.SDS, stellt fest: »Wir stehen unmittelbar vor den
heftigsten Bildungsprotesten der letzten Semester. Der von der
Bundesregierung vor zehn Tagen verabschiedete Hochschulpakt II
war der Versuch, den Bildungsprotesten bereits im Vorfeld der
Streikwoche den Wind aus den Segeln zu nehmen. Doch Merkels
Beruhigungspille wirkt nicht, weil der Hochschulpakt eine
Mogelpackung ist. Der Bildungsstreik ist die richtige Antwort auf den
Vorstoß der Bundesregierung.« Der
Studierendenverband Die Linke.SDS kritisiert die im Rahmen des »Hochschulpakt II« geplanten 18-Milliarden-Investitionen
ins Bildungswesen als »völlig unzureichend«
.
»Die
neubewilligten Milliarden gehen an die falsche Stelle, nämlich
in erster Linie an außeruniversitäre Forschung und die
unsoziale Exzellenzinitiative", von denen nur die
Spitzenforschung an einigen wenigen Universitäten profitiert«
,
so Ben Stotz. Auch die vorgesehene Schaffung von 275 000 neuen
Studienplätzen gehen dem Studierendenverband der Partei DIE
LINKE nicht weit genug. »Die
von der Bundesregierung gefeierte Neuschaffung von Studienplätzen
fängt in der Realität nicht einmal die Doppeljahrgänge
des Turboabiturs auf.
An
dem schlechten Betreuungsverhältnis und überfüllten
Hörsälen werden die Programme der Bundesregierung nichts
ändern - und genau deshalb protestieren wir«. Die Linke.SDS fordert 500.000 neue Studienplätze zu schaffen und
komplett aus zu finanzieren. Ansonsten werde die soziale Selektion in
der Hochschulbildung weiter zunehmen.
Gemeinsamer Protest
In den nächsten
Tagen werden deswegen nicht nur Studierende, sonder auch Schüler und Schülerinnen,
Lehrende, Dozierende, Eltern, Gewerkschaften und andere sozialen
Gruppen die Missstände an Bildungseinrichtungen deutlich
artikulieren und weitgehende Veränderungen einfordern. Alternative Lehrveranstaltungen, Demonstrationen, Vorträge,
Diskussionen, kulturelles Programm, bunte Aktionen und Akte des
zivilen Ungehorsams werden in dieser Woche die inhaltliche
Auseinandersetzung über den gesellschaftlichen Stellenwert von
Bildung in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken, der spürbare
Protest wird dem Diskurs Nachdruck verleihen. Getragen wird der
Bildungsstreik von einer breiten Basis aus dezentralen Bündnissen.
Seit über einem halben Jahr findet eine intensive Vernetzung und
inhaltliche Koordination der lokalen Bündnisse statt. »Die
Zustände vor Ort konnten so mit den strukturellen Ursachen der
Bildungsmisere verbunden und ein gemeinsamer, übergreifender
Protest von verschiedenen Gruppen in dieser Woche organisiert werden«
, fasst Laura Klink aus Trier den Charakter des Bildungsstreiks
zusammen. Den Beteiligten am Bildungsstreik geht es um eine Bildung,
die zur kritischen Reflexion befähigt, sich an gesellschaftliche
Bedürfnissen orientiert und Theorie und Praxis verbindet.Von Bedeutung sind für die Schüler
und Schülerinnen und Studierenden dabei insbesondere die
Demokratisierung des Bildungssystems, die Abschaffung des Bachelor-
und Masterstudiums in der derzeitigen Form, die Abschaffung des
mehrgliedrigen Schulsystems, kleinere Klassen, die soziale Öffnung
der Hochschulen, die Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen und
ein Ende des Einflusses der Wirtschaft in allen
Bildungseinrichtungen. Entscheidend dafür sind neben
einer ausreichenden Finanzierung darüber hinausgehende
strukturelle Veränderungen, welche ein grundlegend anderes
Bildungsverständnis erfordern. »Eine Gesellschaft mit einem der
selektivsten Bildungssysteme, welches Lernende nicht dazu befähigt,
sich kritisch mit vermittelten Inhalten auseinander zu setzen, ist
keine Demokratie!« , so Mo Schmidt aus Marburg. Weiter führt
er aus: »Der Kampf für ein alternatives Bildungssystem ist
ein Kampf für eine wahrhafte Demokratie, deswegen geht Bildung
uns alle an.«
Mehr im Internet:
|
|
|
|
 |
|