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Doppelausstellung in Berlin bis 31.08.09 |
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Heartfield und Staeck – Plakate als Pranger |
Beißende Anklagen gegen die Herrschenden gibt es in der Berlinischen Galerie zu sehen. Dort sind Werke der beiden Plakatkünstler John Heartfield und Klaus Staeck zusammen ausgestellt. Von Jan Maas
Ihre Werke sind
Legende: »Der Sinn des Hitlergrußes« des Kommunisten John
Heartfield von 1932, auf dem ein Industrieller dem NSDAP-Chef ein
Geldbündel in die erhobene Hand legt, hat es in die
Geschichtsbücher über die Weimarer Republik geschafft. Fast
genauso berühmt ist das Plakat »Deutsche Arbeiter! Die SPD
will Euch Eure Villen im Tessin wegnehmen!«, mit dem Klaus Staeck
vierzig Jahre später den Bundestagswahlkampf kommentierte.
Noch bis Ende
August stellt nun die Berlinische Galerie Arbeiten dieser wohl
bekanntesten politischen Künstler aus Deutschland aus. In der
Schau über Heartfield gibt es Plakate für die KPD,
Buchumschläge und vor allem die Titelseiten zu sehen, die er ab
1930 für die Arbeiter Illustrierte Zeitung (AIZ) des
kommunistischen Verlegers Willi Münzenberg anfertigte.
Fotomontage in den
besten Händen
![John Heartfield: Krieg und Leichen, 1932 [(C)The Heartfield Community of Heirs / VG Bild-Kunst, Bonn 2009] John Heartfield: Krieg und Leichen, 1932 [(C)The Heartfield Community of Heirs / VG Bild-Kunst, Bonn 2009]](http://marx21.de/mambots/content/multithumb/thumbs/b.180.180.16777215.0.stories.fotos2009.heartfield05.jpg) John Heartfield: Krieg und Leichen, 1932 [(C)The Heartfield Community of Heirs / VG Bild-Kunst, Bonn 2009] Heartfield
perfektionierte für seine Anklagen gegen die Herrschenden und
Warnungen vor den Nazis die Technik der Fotomontage. Damit konnte er
Zusammenhänge und Gegensätze in einem realistischen Stil
zeigen, die sich vorher nur zeichnerisch darstellen ließen. In
Heartfields Händen fand das neue Verfahren seine denkbar beste
Anwendung.
Ebenfalls mit
montierten und verfremdeten Motiven prangerte Klaus Staeck die alten
und neuen Eliten an, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs weiter
für ihre Profite sorgten. Oft im Stil der jeweils aktuellen
Wahl- und Werbeplakate gehalten, sorgten sie für Aufregung. Vor
allem in den Unionsparteien, deren Mitglieder Staecks Werke schon mal
von den Ausstellungswänden rissen wie 1976 in Bonn geschehen.
Ausgiebig
bebildert die Ausstellung die Entwicklung und die Arbeitsweise der
beiden Künstler. John Heartfields Montagetechnik geht auf die
Collagen der Dada-Bewegung am Ende des Ersten Weltkriegs zurück.
Durch den Verlag, den er mit seinem Bruder Wieland Herzfeld betrieb,
trug er maßgeblich zur Entstehung dieser künstlerischen
Bewegung bei.
Druckvorlagen aus
der Werbung
Etliche von
Heartfields Originalen stehen den AIZ-Titelseiten gegenüber, zu
denen sie später verarbeitet wurden. So können die damals
noch mit Schere, Klebstoff und Stiften angefertigten Montagen und
Retuschen am Objekt nachvollzogen werden. Außerdem sind Fotos
und Illustrierte ausgestellt, zum Teil bereits ausgeschnitten, die
Heartfield für seine Arbeiten sammelte.
![Klaus Staeck: Bankensicherungsschirm, Bremen, 1994 [(C) Klaus Staeck] Klaus Staeck: Bankensicherungsschirm, Bremen, 1994 [(C) Klaus Staeck]](http://marx21.de/mambots/content/multithumb/thumbs/b.180.180.16777215.0.stories.fotos2009.staeck01.jpg) Klaus Staeck: Bankensicherungsschirm, Bremen, 1994 [(C) Klaus Staeck] Klaus Staeck kam
in den 1960er Jahren zur Plakatkunst. Nach ersten abstrakten Arbeiten
verwendete er gebrauchte Druckvorlagen aus der Werbung und Verlagen
in Bildern gegen den Vietnamkrieg. Von dort war es ein kurzer Weg zum
Plakat. Staeck empfand es immer als seine Aufgabe, mit seiner Kunst
in die Politik einzugreifen. Oft nahm er dabei Themen vorweg, wie die
Umweltzerstörung.
Im politischen
Bekenntnis der beiden Künstler spiegeln sich Spaltung und
Tragödie der deutschen Arbeiterbewegung. Heartfield trat schon
1919 in die erst kurz zuvor gegründete KPD ein und musste 1933
vor den Nazis nach Prag und später nach London fliehen. 1950 zog
er freiwillig in die DDR, doch die SED behinderte seine Arbeit und
verweigerte dem Kommunisten der ersten Stunde die Aufnahme in die
Partei, weil sie »Westemigranten« wie ihn für unzuverlässig
hielt. Ab 1956 wurde Heartfield langsam rehabilitiert. 1968 starb er
in Berlin.
Klaus Staeck
dagegen floh 1956 aus Bitterfeld nach Heidelberg. Seit 1960 ist er
Mitglied der SPD, arbeitete aber nie als Grafiker für sie. Die
ebenfalls ausgestellten Fotografien Staecks demaskieren die hohlen
Versprechungen des angeblichen Sozialismus ebenso wie die des
Kapitalismus auch Steinmeierscher Prägung. Wie der künstlerische
und politische Standpunkt des »überzeugten Sozialdemokraten«
Staeck sich vereinbaren lassen, bleibt sein Geheimnis.
Ausstellung:
John Heartfield:
Zeitausschnitte / Klaus Staeck:
Schöne Aussichten, 29. Mai bis 31.
August 2009, Berlinische Galerie, Alte Jakobstraße 124-128, 10969 Berlin-Kreuzberg (Karte)
Eintrittspreise:
6 Euro / ermäßigt
3 Euro. Jeden 1. Montag im
Monat 2 Euro. Freier Eintritt
bis 18 Jahre
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