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09.07.09: Umwelt |
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G8 blockiert den Klimaschutz |
Bisher gibt es nur
Lippenbekenntnisse der G8 zum Klimaschutz. Statt zu handeln, streiten sich
die Regierungen über Reduktionsverpflichtungen und
Unterstützungszahlungen für arme Länder. Von Frank
Eßers
 »Regierungschefs kochen den Planeten«: Am Mittwoch protestierten die Hilfsorganisation Oxfam und andere gegen die Klimapolitik der G8. (Foto: Nicola Sacco/Oxfam-UCODEP) Mit dem G8-Gipfel haben die reichsten
Industriestaaten eine weitere wichtige Etappe versäumt, ein
Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll auf
den Weg zu bringen. Dafür gibt es reichlich Streit. Notwendig
wäre laut Klimaexperten eigentlich, dass zwischen 2013 und 2017
der Höhepunkt des globalen Treibhausgas-Ausstoßes erreicht
ist - und dieser dann zügig und erheblich sinkt. Doch darüber
gibt es keinen Konsens.
Im G8-Text ist lediglich die Rede davon,
dass der Höhepunkt der Emissionen »sobald wie möglich«
erreicht werden soll. »Die Staatschefs der G8-Staaten
haben sich in L'Aquila als pure Redenschwinger entpuppt«,
urteilt Greenpeace.
Bis zum Jahr 2020 müsste der
Treibhausgas-Ausstoß mindestens um 40 Prozent reduziert werden,
bis 2050 um 80 Prozent, damit die Erderwärmung unter der
Schwelle von plus 2 Grad Celsius bleibt. Diese zusätzliche
Erwärmung wird vom UN-Klimarat als das Maximum dessen
bezeichnet, was die Erde verträgt, ohne dass das Klima kippt.
Für viele Länder, darunter die ärmsten, wäre
allerdings auch eine Erwärmung um 2 Grad unerträglich.
Streit statt Klimaschutz
Doch viele Industrieländer haben
bisher zu geringe Reduktionsziele vorgelegt. Von den Staaten, die
das Kyoto-Protokoll unterzeichnet haben, werden zudem etliche ihre
Verpflichtungen nicht erfüllen.
Streit gibt es derzeit auch um das
Basisjahr, an dem die Reduktionen der Treibhausgase gemessen
werden sollen. So fordern zum Beispiel Japan und die USA, Reduktionen
am Jahr 2005 statt am Jahr 1990 zu messen. Da in diesem Zeitraum
allerdings der Treibhausgas-Ausstoß stark gestiegen ist, reicht
das Basisjahr 2005 nicht aus, um das 2-Grad-Ziel einzuhalten.
US-Präsident Obama, der auch gewählt worden ist in der
Hoffnung, dass die USA den Klimaschutz nicht länger
boykottieren, enttäuscht mit seiner Forderung nach einem späten
Basisjahr derzeit viele seiner Anhänger.
G8 lässt Arme im Stich
Ebenso schwer wiegt, dass die G8
keinerlei konkrete Zusagen machen, wie sie arme und Schwellenländer
bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels unterstützen
wollen. Das wäre nötig und gerecht, denn die G8-Staaten
verursachen fast die Hälfte der globalen
Treibhausgas-Emissionen. Für den bisherigen Temperaturanstieg
sind die Industriestaaten, nicht die Entwicklungs- und
Schwellenländer hauptsächlich verantwortlich. An den
bereits deutlich spürbaren Folgen des Klimawandels hingegen
leiden vor allem Menschen in ärmeren Ländern.
Klimaexperten und Umweltorganisationen
fordern deshalb, dass Entwicklungsländer von den
Industrienationen mindestens 110 Milliarden Euro pro Jahr für erneuerbare Energien, Anpassung an den Klimawandel und Urwaldschutz
erhalten. Der Anteil Deutschlands betrüge jährlich
mindestens sieben Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Bank »Hypo Real Estate-Bank« erhielt von der Bundesregierung Garantien in Höhe
von 102 Milliarden Euro.
Scheitert Kopenhagen?
Doch ohne solche Hilfe und ernsthaften
Klimaschutz seitens der Industrieländer wird es kein
Nachfolgeabkommen für Kyoto geben. Denn Schwellenländer wie
China oder Indien werden nicht bereit sein, sich zu Reduktionen zu
verpflichten, ohne dass die Industrieländer ihre
Hausaufgaben machen. »Kein Geld, kein Abkommen«, so brachte
EU-Umweltkommissar Stavros Dimas im Frühjahr die gegenwärtige Lage
vor der anstehenden UN-Klimakonferenz in Kopenhagen auf den Punkt.
Wird der Streit nicht beigelegt, wird
in Kopenhagen kein neues Regelwerk für den Klimaschutz nach 2012
beschlossen werden können. Für eine Einigung ist die Zeit
bereits sehr knapp.
Viele Akteure aus den
globalisierungskritischen und Umweltbewegungen bereiten derzeit Proteste zum UN-Klimagipfel vor, der im Dezember stattfindet. Sie
wollen Druck machen auf die Regierungen, damit diese Klimaschutz
ernst nehmen.
Zum Autor:
Frank Eßers ist Online-Redakteur von marx21.de und aktiv in der LINKEN Berlin-Neukölln.
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