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15.09.09: Fabrikbesetzung in Argentinien |
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Eine Fabrik, die den Menschen gehört |
Die Keramikfabrik Zanon ist in Arbeiterhand. Die Belegschaft kann nach neun Jahren
des Kampfes einen endgültigen rechtlichen Sieg feiern. Marie Trigona
berichtet aus Argentinien über die Hintergründe des Arbeitskampfes.
Es ist ein Sieg für das Recht auf Arbeit und das Recht der Arbeiter auf Selbstbestimmung: Das Parlament der Provinz Neuquén sprach
sich in einer Abstimmung für die Enteignung der Keramikfabrik Zanon
aus, um den Arbeitern der Kooperative FASINPAT das endgültige Recht
einzuräumen, die Fabrik selbst zu managen. Die Arbeiter hatten Zanon
2001 besetzt. Seither war es ihnen gelungen, ein System der
Arbeiterselbstverwaltung aufzubauen. Sie schafften neue Arbeitsplätze,
verdoppelten die Keramikproduktion, unterstützten Gemeindeprojekte und
standen an der Spitze eines Netzwerkes aus 200 Unternehmen, die von
Arbeitern übernommen worden waren. Zanon heißt heute FASINPAT (Fabrik
ohne Chef). Die Produktion kann nun weiterlaufen, ohne dass eine
Räumung zu befürchten ist.
Bis heute ist die argentinische Fabrik Zanon der größte
Keramikhersteller Lateinamerikas. Die Fabrik liegt in der patagonischen
Provinz Neuquén - einer geschichtsträchtigen Region. Die
Provinzhauptstadt heißt gleichfalls Neuquén. Die Arbeiterklasse dieser
Region hat eine reiche Tradition. Mystik umgibt die rote Wüste, die
reichen Wälder und kristallklaren Seen. Im Oktober 2001 erklärten die
Arbeiter von Zanon ihre Fabrik offiziell zu einem Unternehmen unter
ihrer Kontrolle. Zuvor hatten sie die Bosse ausgesperrt.
Heute arbeiten in Argentinien mehr als 13.000 Menschen in besetzten
Fabriken und Unternehmen, die auch unter dem Begriff »kurierte
Unternehmen« bekannt sind. Insgesamt handelt es sich um über 200
Unternehmen - Hotels, Keramikfabriken, Ballonproduzenten bis hin zu
Anzugsschneidereien, Druckershops, Transportunternehmen und vielen
anderen Gewerben. Die meisten Besetzungen fanden nach der
argentinischen Wirtschaftskrise im Jahr 2001 statt. Damals stieg die
Arbeitslosigkeit auf über 25 Prozent. Die Armutsrate betrug mehr als 50 Prozent. Die
Besetzung von Zanon war eine der größten und bedeutendsten im Land. Sie
wurde für Millionen Arbeiter, die während der schlimmsten
Wirtschaftskrise in der Geschichte Argentiniens ihre Arbeit verloren
hatten, zu einem Symbol. Tausende Fabriken schlossen damals ihre Tore.
Doch die Kooperative von Zanon bewies, dass Fabriken auch ohne Bosse
produzieren können.
Ein legaler Sieg
Am 13. August, kurz nach Mitternacht, stimmte das Parlament von
Neuquén, in dem die rechte MPN (Popular Movement of Neuquén) die
Mehrheit hält, für ein Gesetz, mit dem die Keramikfabrik Zanon
enteignet wurde. Das neue Enteignungsgesetz wurde mit 26 Ja-Stimmen
(gegen 9 Nein-Stimmen) angenommen. Tausende UnterstützerInnen von
anderen Arbeiterorganisationen, von Menschenrechtsorganisationen und
Sozialbewegungen, Studierende und ganze Familien warteten vor dem
Gebäude des Provinzparlaments in der Provinzhauptstadt von Neuquén.
Viele Aktivisten aus Buenos Aires waren über 900 Kilometer weit gereist, um
FASINPAT im Kampf für das Enteignungsgesetz zu unterstützen. Unter den
Angereisten befanden sich auch ArbeiterInnen der selbstverwalteten
Anzugsfabrik Brukman und des besetzten Hotels BAUEN.
GewerkschaftsvertreterInnen aller Ebenen der Untergrundbahnen waren
ebenso vertreten wie MitarbeiterInnen der öffentlichen Krankenhäuser.
»Als wir herausfanden, dass sie abstimmen werden, riefen wir unsere Unterstützer zusammen. 3500 beteiligten sich an dem Protest - darunter Sozialbewegungen, Menschenrechtsorganisationen, Lehrer und Gewerkschafter«, sagt Jorge
Bermudea, ein langjähriger Mitarbeiter von Zanon in einem Interview,
das er in Buenos Aires mit »CIP Americas Program« führte. Trotz
starker Wüstenwinde (Patagonien!) harrten Hunderte bis zur endgültigen
Entscheidung des Parlamentes aus und scharten sich um einige Feuer. Die
Abstimmung des Parlamentes verfolgten die UnterstützerInnen auf einem
Bildschirm vor dem Regierungsgebäude. Die Menschen, die die Übertragung
verfolgten, waren angespannt. Doch dann brachen sie und die 'Arbeiter
ohne Chef' in Jubel aus und feierten gemeinsam. Kräftige
Keramikarbeiter - in beigen Arbeitsanzügen und blauen Jacken (mit dem
FASINPAT-Logo) - umarmten sich voller Freude, mit Tränen in den Augen.
Glück und Sorgen eines langen Kampfes um die Kontrolle über ihre Fabrik
kamen zum Vorschein.
»Das ist unglaublich. Wir sind so glücklich. Die Enteignung ist ein
Akt der Gerechtigkeit«, sagte Alejandro Lopez, Generalsekretär der
Keramikergewerkschaft, überwältigt vom Gefühl des Sieges. »Wir werden
die Leute nicht vergessen, die uns in den härtesten Momenten
beigestanden haben oder die 100.000, die ihre Unterschrift unter eine
Petition zur Unterstützung dieses Gesetzes gesetzt haben«, sagt er.
Die Arbeiter danken der Gemeinde für ihre Unterstützung bei der
Verwirklichung ihres Zieles, die Fabrik zu enteignen. »Die Abstimmung
ist nicht nur ein Sieg der 470 Zanon-Arbeiter oder der 150, die die
Fabrik am Anfang übernahmen sondern auch ein Sieg für die ganze
Gemeinde, die uns unterstützt hat«, so Bermuda. Während der Debatte
über das Gesetz hatten die Abgeordneten festgestellt, dass mehr als die
Hälfte der Bevölkerung für die Enteignung der Fabrik waren, die von
ihren Arbeitern geleitet wird.
Die Enteignung der Zanon-Fabrik ist nicht nur ein politischer Sieg.
Es ist auch ein rechtlicher Präzedenzfall, der Arbeiterkooperativen
zugute kommen wird, die ihre Fabriken übernommen haben, als diese von
ihren Bossen geschlossen wurden. Das Gesetz von Neuquén ist das erste
dieser Art, das keine finanzielle Entschädigung durch die Arbeiter
vorsieht. Der Staat wird privilegierten Gläubigern die Schulden von
Luis Zanon in Höhe von 22 Millionen Pesos (circa 7 Millionen Dollar)
bezahlen. Zu diesen Gläubigern zählt die Weltbank, die Luis Zanon einen
Kredit über 20 Millionen Dollar gegeben hatte, um das Werk zu errichten bzw.
die italienische Firma SACMY, die moderne Maschinen zur
Keramikproduktion produziert. Diesem Unternehmen stehen noch 5
Millionen Dollar zu. Interessen dieser Art setzten das argentinische
Justizwesen unter Druck, die Eigentumsfrage im Falle Zanon zu klären -
damit die Schulden endlich vom Tisch kommen.
Bereits in der Vergangenheit wurden hie und da Enteignungsgesetze
beschlossen. Allerdings kam es bislang zu keiner Gesetzesverabschiedung
auf nationaler Ebene. Das heißt, die Arbeiterkooperativen müssen die
Schulden ihrer Vorgängerfirmen übernehmen - doch nicht im Falle Zanon. Als Ausgleich für das Übereinkommen zeigt sich FASINPAT bereit, der Provinz Produkte zum Selbstkostenpreis zu liefern.
Die ArbeiterInnen von Zanon vertraten die Meinung, die Regierung
solle die Schulden von Luis Zanon nicht übernehmen. Ihr Argument: Vor
verschiedenen Gerichten sei bewiesen worden, dass die Gläubiger an dem
betrügerischen Bankrott der Fabrik im Jahr 2001 mitbeteiligt gewesen
seien. Schließlich seien diese Kredite direkt an den Eigner, Luis
Zanon, geflossen und nicht - in Form von Investitionen - an die Fabrik. »Wenn jemand zahlen sollte, dann Luis Zanon, der wegen
Steuerhinterziehung angeklagt ist«, meint Omar Villablanca von
FASINPAT. Das Kollektiv hatte schon einmal einen Enteignungsantrag
gestellt, von dem das jetzt beschlossene Gesetz einiges übernommen hat.
Im ursprünglichen Antrag war allerdings eine Streichung der Rückzahlung
an die Gläubiger vorgesehen. Mehr als 100 000 Menschen hatten eine
Petition unterschrieben, um das Gesetz Wirklichkeit werden zu lassen.
Die Wurzeln von Zanon
Die Fabrik Zanon umfasst eine Anlage, die sich über mehrere Blocks
erstreckt. Sie wurde in einem Industriepark gebaut, der an der Route 7
liegt, die in die Provinzhauptstadt Neuquén führt. Die Einweihung der
Fabrik fand 1980 statt - drei Jahre bevor die Nation aus ihrem Albtraum
der Diktatur erwachte. Die Terrorherrschaft dauerte von 1976 bis 1983.
Offiziere der Militärdiktatur und italienische Diplomaten überwachten
die Feier, und ein Monsignore der katholischen Kirche erteilte seinen
Segen. Luis Zanon - genannt Luigi - bedankte sich beim Militärregime »für die Atmosphäre der Sicherheit und Ruhe durch die Streitkräfte,
seit sie am 24. März 1976 die Macht übernommen haben«. An jenem
schicksalhaften 24. März hatte die blutigste Ära in der Geschichte
Argentiniens begonnen. Das Militär terrorisierte die Nation. 30 000
Aktivisten, Arbeiter und Studenten wurden gewaltsam verschleppt.
Die Arbeitsbedingungen bei Zanon - vor der Besetzung durch die
Arbeiter - waren so, dass es im Durchschnitt zu 25 bis 30
Arbeitsunfällen pro Monat und einem tödlichen Unfall pro Jahr kam. Das
Management setzte bestimmte Regeln durch, um eine Kommunikation
zwischen den Keramikarbeitern zu unterbinden und sie zu spalten. Auf
diese Weise wollte man die Gewerkschaftsaktivitäten kontrollieren und
verhindern, dass es zu einer gewerkschaftlichen Organisierung
unabhängig von den Interessen des Unternehmens kam. Viele Arbeiter
erinnern sich noch daran, wie sie sich im Geheimen organisieren
mussten, um Kontrolle über ihre Gewerkschaft zu erlangen.
Carlos Villamonte war einer von ihnen, als es darum ging, sich
gewerkschaftlich auf allen Ebenen zu organisieren. Heimlich traf man
sich, Ende der 90er Jahre. »Es war schwierig, die Fabrikgewerkschaft
zurückzuerobern, denn wir mussten es heimlich tun. Das Unternehmen
verfügte über ein sehr repressives System. Sie ließen dich nicht in
andere Sektoren und nicht mit Kollegen reden, nicht einmal das Klo
konnte man frei benutzen. Oft mussten wir mit Hilfe von Zetteln
kommunizieren, die wir unter den Tischen in der Cafeteria
weiterreichten oder indem wir durch verschiedene Sektoren gingen, um
heimlich Ort und Zeit eines Treffens zu verabreden. Wir fanden
Möglichkeiten, um die Kontrolle der Bosse und die
Gewerkschaftsbürokratie zu unterlaufen.« Eine dieser Möglichkeiten war
die Gründung eines Fußball-Teams der Keramikarbeiter. Zwischen
Training, Fußball, Spielen und Turnieren, gelang es den Arbeitern,
Strategien zu entwickeln, um sich auf Arbeitsplatzebene
gewerkschaftlich zu organisieren.
Der Zanon-Gewerkschaftsbewegung gelang es 1998, die Kontrolle über
die argentinische Keramikgewerkschaft zu erlangen. Der Kampf gipfelte
2001 in einer Aussperrung der Bosse. Daraufhin feuerte Zanon seine
Arbeiter und schloss die Fabrik. Zanon blieb Millionenbeträge an nicht
gezahlten Löhnen und Abfindungen schuldig. Daher errichteten die
Arbeiter vor der Fabrik ein Protest-Camp. Während die Arbeiter vor
ihrer Fabrik campierten, entschied ein Gericht, dass sie die restlichen
Waren selbst verkaufen dürften.
Am 2. März 2002 - nachdem alle Reste verkauft waren -, stimmte die
Arbeiterversammlung ab. Ergebnis: Die Produktion sollte weiterlaufen -
auch ohne Boss. Viele Arbeiter der Fabrik glauben, dass die Tatsache,
dass eine auf allen Ebenen organisierte Arbeiterbewegung die
Gewerkschaft übernommen hatte, entscheidend dazu beitrug, dass die
entlassenen Arbeiter die Fabrik mit Feuereifer übernahmen und die
Produktion neu starteten, nachdem die Firmenleitung die Werkstore
geschlossen hatte.
Die Zukunft der Arbeiterselbstverwaltung
Der Begriff »Autogestión obrera« - Arbeiterselbstverwaltung -
bedeutet, dass eine Gruppe oder Gemeinschaft ihre eigenen
Entscheidungen trifft, vor allem bei der Produktion und bei
Planungsprozessen. Eine der größten Leistungen von Zanon war es, ein
solches Riesenmonster von Fabrik, wieder in Gang zu setzen. Sie
schafften es mit einer Organisationsform, die auf Gleichheit und
Demokratie beruhte - ohne ausgebildete Manager, ohne Bestrafungssystem
oder hierarchische Organisierung.
Das FASINAT-Kollektiv wuchs. Zuerst waren es 250 Arbeiter. Heute
sind es 470. Nach der Fabrikbesetzung 2001 wurde mit einer monatlichen
Produktion von 5000 Quadratmetern Keramikwaren begonnen. Bald konnte
die Produktion auf 14.000 Quadratmetern gesteigert werden. 2008
produzierte FASINAT 400 000 Quadratmeter Waren pro Monat - ein
Rekordergebnis für die Arbeiterselbstverwaltung. Diese Leistungskapazität wäre auch heute noch haltbar. Doch da die
Nachfrage in letzter Zeit gesunken ist, wurde entschieden, die
Produktion der Nachfrage anzupassen. »Aufgrund der Krise haben wir 2009
die Produktion auf 250.000 Quadratmeter im Monat gedrosselt«, erklärt
Bermuda, der an den technischen Planungen im Werk beteiligt ist.
Aufgrund der Krise und einer schrumpfenden Bauindustrie in der
Region, fiel das Verkaufsvolumen von Keramikproduktion um 40%. Anders
als kapitalistische Keramikfabriken macht es sich FASINPAT zur Aufgabe,
die Kosten zu reduzieren anstatt die Belegschaft. »Die rechtlichen
Probleme sind erledigt. Nun müssen wir mit der Produktion klarkommen
und für Energiesubventionen kämpfen«, sagt Omar Villablanca, ein junger
Zanon-Arbeiter, der kürzlich zum Generalsekretär der
Keramikgewerkschaft der Region gewählt wurde. Kurz nach dem Sieg reiste
er nach Buenos Aires, um die Arbeiter der Keksfabrik Terrabusi bei
ihrem Streik zu unterstützen. Sie kämpfen gegen Entlassungen und
freiwilligen Lohnverzicht. »Wenn Fabriken schließen, ist das generell
das Resultat eines Managements, das keinen Peso an Profiten in den
Erhalt von Jobs investieren will«, sagt er.
Eine der größten Herausforderungen für die Fabriken in
Arbeiterselbstverwaltung ist es, Pläne zu entwickeln, mit denen sie auf
eine unsichere Marktlage reagieren können. Zanons rechtlicher Status
ist geklärt. Die Arbeiter dieser Fabrik können sich nun auf die
Produktion konzentrieren und auf die Umsetzung neuer Technologien. An
der Ausbildung ihrer Arbeiter wollen sie nicht sparen, die
Ausbildungsprogramme sollen weiterlaufen. Die Arbeiter-Versammlung -
der Ort, an dem die Entscheidungen bei Zanon fallen -, hat die
Einrichtung von Schulklassen für Arbeiter, die ihre Schulausbildung
nicht zu Ende bringen konnten, beschlossen. Eine Grundschule und eine
weiterführende Schule sollen eingerichtet werden. Mehr als die Häflte
der Arbeiter von Zanon haben keine abgeschlossene Schulausbildung, die
mit dem Highschool-Abschluss vergleichbar wäre. »Wir arbeiten daran,
unsere Arbeiter weiterzubilden. Grund- und Sekundarstufen sind ein
Aspekt. Im nächsten Schritt werden wir einige Companeros auf ein
Ingenieursstudium, oder was immer sie studieren wollen, vorbereiten«,
so Villablanca.
In einem Artikel (2004) zum Thema Zanon schrieb der Autor Raúl
Zibechi, der die Sozialbewegungen Lateinamerikas erforscht: »Die
Ex-Zanon-Arbeiter hoffen, dass die argentinische Regierung den
Beschluss trifft, ihren Status anzuerkennen und sie weiter unter
eigener Kontrolle arbeiten lässt« (2004). Viele Experten, die sich mit
der Rolle der Regierung und ihrer hartnäckigen Weigerung, die Tatsache
anzuerkennen, dass die 200 besetzten Unternehmen Argentiniens mehr als
10 000 Arbeitsplätze geschaffen haben, befassen, waren, wie Zibechi,
der Meinung, dass eine endgültige rechtliche Klärung noch Jahre dauern
würde. Sie behielten Recht. Als Autorin, die die Entwicklung der
Arbeiterselbstverwaltung bei Zanon seit langem mitverfolgt, konnte ich
es kaum glauben und teilte die Freude und das Glück über die gute
Nachricht.
In den neun Jahren der rechtlichen Auseinandersetzungen und der
Unsicherheit gelang es den Arbeitern von Zanon, mehr als 200 neue
Arbeitsplätze zu schaffen. Sie schufen Häuser für bedürftige Familien
und mehrere Kliniken. Sie beschenkten Hunderte von Kulturzentren,
Büchereien und Gemeindeprojekten mit ihren Keramikprodukten. Sie
unterstützten Streikfonds von Arbeitern, die für bessere
Arbeitsbedingungen kämpfen. Sie schufen ein Netzwerk von
Sozialbewegungen. Innerhalb ihrer Fabrik entwickelten sie eine
demokratische Versammlung und ein Koordinierungssystem, die an die
Stelle der Hierarchie traten. Allein von der Tatsache, dass sie ihre
Fabrik erfolgreich führen, ganz zu schweigen. Der damalige Besitzer
wollte Zanon für immer schließen. Malen wir uns aus, was diese Arbeiter jetzt erst erreichen können.
Ein ständiges Motto begleitet die Arbeiter von Zanon: »Zanon es del
pueblo« (Zanon gehört dem Volk). Die Arbeiter haben sich dafür
eingesetzt, dass auch die Gemeinde einen Nutzen von der Fabrik in
Arbeiterselbstverwaltung hat. »Ich habe das Gefühl, dass das Gesetz unser Beitrag über die
Arbeiterklasse ist, unser Sandkorn für die Arbeiter, damit sie wieder
Hoffnung schöpfen, etwas verändern zu können«, sagt Raul Godoy. Er ist
Arbeiter und beharrlicher Aktivist seiner Fabrik. Wenn kurierte
Fabriken gegen eine drohende Räumung oder andere rechtliche Probleme
kämpfen, wird das FASINPAT-Kollektiv für sie ein Leuchtfeuer des
Erfolges sein, auf das sie blicken können. Arbeiter, denen Entlassungen
drohen, werden noch inspirierter sein, dem Beispiel der Zanon-Arbeiter
zu folgen und ihre Fabriken selbst zu leiten und sie in den Dienst des
Volkes zu stellen.
Über die Autorin:
Marie Trigona ist Autorin,
Radioproduzentin und Filmemacherin. Sie lebt in Argentinien.
Zum Text:
Veröffentlichung auf marx21.de mit
freundlicher Genehmigung von ZNet.
Dort ist er zuerst auf Deutsch erschienen in der Übersetzung von
Andrea Noll.
Orginalartikel:
FASINPAT: A Factory that Belongs to the People
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