Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt unterstellte kürzlich der neuen Linken, Frauen links liegen zu lassen. Es sei typisch für die „Beton-Linke im Unterschied zur modernen Linken [sie meint damit die Grünen], dass sie die Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen als bloßen ‚Nebenwiderspruch’ abtut.“ Damit behauptet sie, dass Frauenrechte in der Linken als zweitrangiges Thema dem Kampf für soziale Gerechtigkeit untergeordnet werden.
Dass Göring-Eckhardt sich nun als Nachhilfe-Lehrerin für die Linke beim Thema Frauenrechte anbietet, ist zynisch. Rot-Grün hat die Situation von Millionen von Frauen in Deutschland massiv verschlechtert. Durch Hartz IV sind weibliche Arbeitnehmerinnen und Arbeitslose, besonders viele alleinerziehende Mütter, in noch größerem Maße von Armut betroffen und werden zudem systematisch finanziell von ihren Partnern abhängig gemacht.
Frauen verdienen in der Bundesrepublik immer noch im Durchschnitt 27 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, sind überdurchschnittlich von Armut betroffen, haben niedrigere Renten und stellen die Mehrheit im Niedriglohnbereich. Zudem leisten sie 80 Prozent der Hausarbeit und der Kinderbetreuung.
Angesichts dieser Verhältnisse hat Göring-Eckhardt recht, das Frauenunterdrückung sich nicht zu einem „Nebenwiderspruch“ des Kapitalismus degradieren lässt. Diese Vorstellung hat rein gar nichts mit der marxistischen Tradition zu tun – die Begriffe Haupt- und Nebenwiderspruch tauchten erst in ihrer stalinistischen Entstellung, genau genommen bei Mao, auf.
Marx ging stattdessen davon aus, dass die ökonomische Ausbeutung die Ursache für verschiedene Formen von Unterdrückung ist, dass gleichzeitig Unterdrückung zur Aufrechterhaltung eines ausbeuterischen Systems beiträgt.
Frauenunterdrückung existierte bereits vor dem Kapitalismus; sie ist jedoch zur notwendigen Voraussetzung des Funktionierens kapitalistischer Gesellschaften geworden. Denn die weitgehend kostenlos verrichtete familiäre Hausarbeit dient dazu, die Reproduktion neuer Arbeitnehmergenerationen zu garantieren.
Diese Doppelbelastung von Frauen müsste nicht sein. Es ist genug gesellschaftlicher Reichtum vorhanden, um zum Beispiel Kinderbetreuung und Verpflegung öffentlich zu organisieren und zu bezahlen. Doch das kollidiert mit kapitalistischen Profitinteressen – die Unternehmer lassen die Frauen lieber unbezahlt arbeiten, als ihre Profite für öffentliche Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Deshalb sagte Rosa Luxemburg: „Keine Frauenbefreiung ohne Sozialismus.“
Sie sagte aber auch: „Kein Sozialismus ohne Frauenbefreiung“ Frauen stellen einen Großteil der Lohnabhängigen. Wenn die Linke nicht im hier und jetzt gegen die Entrechtung, Ausbeutung und Diskriminierung von Frauen angeht, dann wird sie den Kapitalismus niemals herausfordern können. Die Spaltung unserer Seite, zwischen Männer und Frauen, zwischen Deutschen und Migranten schwächt den notwendigen gemeinsamen Kampf.
Die noch-sozialistische Sozialdemokratie vor dem 1. Weltkrieg hat es in einem politischen Kraftakt vermocht, Hunderttausende von Arbeiterinnen gewerkschaftlich zu organisieren und eine politische Kampagne zum Frauenwahlrecht zu führen.
Daran führend beteiligt waren Frauen wie Clara Zetkin und Rosa Luxemburg – aber eben auch Männer wie August Bebel, der mit seinem Buch „Die Frau und der Sozialismus“ einen großen Beitrag leistete. Diese „Beton-Linken“ sahen im Gegensatz zu Göring-Eckhardt den Kampf für Frauenbefreiung nie getrennt vom gemeinsamen Kampf für eine sozialistische Gesellschaft.
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