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Kampf gegen Tarifflucht bei Schlecker |
DIE LINKE unterstützt von der Kündigung bedrohte Angestellte der Drogeriekette, wie David Paenson berichtet.
Etwa 40 Menschen beteiligten sich am 26. Oktober an einer von der LINKEN in Frankfurt am Main organisierten Solidaritätsveranstaltung mit den von der Kündigung betroffenen Schlecker-Kolleginnen. Zehn von ihnen waren selbst anwesend. Vor und während der Veranstaltung traten einige in die Gewerkschaft ein und diskutierten darüber, einen Betriebsrat zu gründen.
Auf dem Podium saßen der Landtagsabgeordnete der hessischen LINKEN, Hermann Schaus, die ver.di-Vertreter Walter Busch Hübenbecker und Jörg Jungmann und Katja Deusser, Schlecker-Betriebsrätin für die Region Darmstadt. Sie beleuchteten die verschiedenen Dimensionen der Schlecker-Strategie zur Tarifflucht im großen Stil: die Gründung eines »neuen« XL-Schlecker-Netzes, wo der Stundenlohn bei 6,50 Euro statt des bisherigen Tariflohns von 11 bis 13 Euro liegt, die Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld, sowie die Kürzung des Urlaubsanspruchs und die Einführung befristeter Arbeitsverträge.
Katja Deusser gab viele konkrete Beispiele von erfolgreichen Abwehraktionen, die verschiedentlich zur Wiedereinstellung von Kolleginnen zu den alten Bedingungen, zur Auszahlung einbehaltener Lohnanteile und zur Rücknahme rechtswidriger Abmahnungen geführt hatten. Sie berichtete vom rauen Umgangston, der von Anton Schlecker und seinen Bezirksleiterinnen gepflegt wird.
Von einer besonders gelungenen Aktion berichtete Jörg Jungmann, ver.di-Sekretär für den Bereich Medien und Mitglied des Landesvorstandes der hessischen LINKEN. Angestellte von Schlecker hatten die ebenfalls von Tarifflucht betroffenen Kollegen des Darmstädter Echos in ihren Arbeitskampf einbezogen: Gemeinsam marschierten sie durch das Tor und die Werkshallen der Zeitungsdruckerei, die geschlossen und auf der grünen Wiese neu eröffnet werden soll.
Zu der Veranstaltung wurde in über zwanzig Frankfurter Schlecker-Filialen eingeladen. So hatte DIE LINKE Kontakt zu einzelnen Verkäuferinnen knüpfen können - eine wichtige Grundlage für den Aufbau weiterer Solidaritätsarbeit.
Der Stadtabgeordnete Lothar Reininger rechnete vor, dass bei der untertariflichen Bezahlung die Kolleginnen nach einem vollen Berufsleben auf eine Rente von 520 Euro kämen. Das will die LINKE-Fraktion nun thematisieren.
Das Publikum machte viele Vorschläge für weitere Aktionen - so zum Beispiel eine Plakataktion vor den insgesamt 60 Filialen, kombiniert mit zentralen Kundgebungen vor dem in der Innenstadt in bester Lage geschlossenen Woolworth. Dort soll demnächst ein XL-Schlecker eröffnet werden.
Es gab einige Kontroversen über die Zusammenarbeit von ver.di und der LINKEN. Konsens herrschte hinterher aber darüber, dass die Partei auf der allgemeinen politischen Ebene, in den Parlamenten, aber auch auf der Straße, gegen Tarifflucht und Lohndumping tätig werden und bei der Verknüpfung von überbetrieblichen und zwischenbetrieblichen Solidaritätsnetzwerken eine wichtige Rolle spielen soll und kann. Eine solche Kampagne wird einen langen Atem und die gemeinsamen Anstrengungen aller Mitglieder der LINKEN erfordern.
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