|
 |
 |
 |
 |
| |
|
18.01.09: Haiti |
| Drucken |
|
2004 hat die USA den Putsch gegen den
gewählten Präsident Aristide unterstützt. Jetzt besetzt die US-Armee das Land mit 10.000 Soldaten. marx21 meint: Statt Soldaten
müssen zivile Helfer und genügend Nahrung nach Haiti.
Zehntausende Menschen auf Haiti sind
bei dem Erdbeben, das das Land am Dienstag erschütterte, umgekommen.
Hunderttausende wurden verwundet oder obdachlos. Überall auf der
Welt empfinden Menschen tiefes Mitgefühl für diejenigen, die so
viel verloren haben, und zeigen große Hilfsbereitschaft. Erdbeben
sind Naturereignisse, aber das Ausmaß des von ihnen verursachten
Leids hängt davon ab, wo sie stattfinden und wie viel Hilfe die
Opfer erhalten.
Die größten Mächte der Welt sind
viel zu langsam mit ihren Reaktionen. Sie zögern, während viele
Menschen keine Nahrung und kein sauberes Wasser haben und unter
freiem Himmel schlafen müssen. Die USA können jederzeit jedes Ziel
der Welt mit Marschflugkörpern treffen. Es mangelt nie an Geld für
den Militäretat. Wenn aber arme Menschen leiden, gibt es immer
Verzögerungen und zu wenig Hilfsmittel. Die Haitianer werden nicht
einmal 1 Prozent der Billionen Dollar bekommen, die den Banken
ausgehändigt wurden, um das Finanzsystem zu stützen. Und selbst
jetzt, wo Haitianer so viel Leid erfahren, genießen die superreichen
Touristen ihren Luxus in der benachbarten Dominikanischen Republik
auf der Westhälfte der karibischen Insel. Am Freitag bauten hungernde und
durstige Menschen in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince Barrikaden, um
gegen die fehlende Hilfe zu protestieren. Die Auswirkungen des
Erdbebens sind auf Haiti sind besonders schwer wegen der Armut dort.
Diese ist die Folge zweier Jahrhunderte imperialistischen
Eingreifens. Sechzig Prozent der Häuser in Port-au-Prince
entsprachen nicht den Baustandards. Schon vor dem Erdbeben waren die
Preise für Reis, Bohnen, Wasser, Öl und Gas zum Kochen in die Höhe
geschnellt und viele Haitianer konnten sich kein Essen mehr leisten.
Die Presseagentur AP berichtete kürzlich, dass viele Haitianer jetzt
„Schlammkuchen" aus Erde essen. Über die Hälfte der Bevölkerung
muss von weniger als 1 Dollar am Tag leben. All das ist das Erbe
des Kapitalismus.
Im achtzehnten Jahrhundert wurden
tausende Sklaven von den europäischen Mächten nach Haiti
verfrachtet. Mit den großen Sklavenaufständen unter Toussaint
L'Ouverture wurden nicht nur die Sklavenhalter und drei europäische
Armeen geschlagen, sondern sie waren auch ein Schlag gegen das ganze
Sklavensystem. Der Aufstand ängstigte die Reichen weltweit und
versetzte sie in Wut - und das bis heute. Während die meisten
Menschen nach dem Erdbeben zu helfen versuchten, sagte der
rassistische US-amerikanische Evangelist Pat Robertson, die Haitianer
hätten einen „Pakt mit dem Teufel" geschlossen, als sie sich
gegen die Sklaverei erhoben.
Obwohl Haiti die Sklaverei
abgeschüttelt hatte, war es unter Androhung militärischer Gewalt
gezwungen, an die ehemalige Kolonialmacht Frankreich 150 Millionen
Franc (etwa 25 Millionen Dollar heute) zu zahlen. Die letzte Rate
konnten sie erst 1947 aufbringen. Im Jahr 1915 marschierten die USA
auf Haiti ein, um die Schuldzahlungen zu überwachen und
US-amerikanische Unternehmen zu schützen. Die Truppen blieben bis
1934 und verwalteten Haiti als faktische Kolonie. Die USA
unterstützen ab 1957 die brutalen Diktaturen des Duvalier-Clans , da
ihnen diese als Schutz gegen den Kommunismus galten. Im Jahr 1986
wurde „Baby Doc" Duvalier durch einen heftigen Aufstand gestürzt,
er floh aus dem Land. Aber die Einmischung des Westens setzte sich
fort. Die Haitianer wählten Jean-Bertrand Aristide zum Präsidenten,
nachdem er eine Landreform, bessere Wohnungen und höhere Löhne
versprochen hatte, woraufhin die USA einen Putsch gegen ihn
unterstützten und er aus dem Amt entfernt wurde. US-Präsident Bill
Clinton setzte Aristide schließlich wieder ein, aber nur unter der
Bedingung, dass er den neoliberalen Wirtschaftsplan der USA umsetzte
- ein Plan, den die Haitianer „Todesplan" nannten. Als Aristide
dem Willen seines Herrn nur langsam folgte, verschworen sich die USA
mit den Reichen Haitis und vertrieben Aristide erneut.
Seitdem
hielten erst die USA und dann Truppen der UNO das Land besetzt. Die
Forderungen der Haitianer nach Lebensmittel und anderer dringend
benötigter Hilfe müssen sofort umgesetzt werden. Es ist ein
Skandal, dass die USA und andere Länder die Hilfsmaßnahmen jetzt
als politische Waffe benutzen, um ihren Willen in der Region
durchzusetzen. Es muss Schluss sein mit der Besetzung Haitis durch
ausländische Truppen und der neoliberalen Politik, mit dem die Armen
Haitis ausgepresst werden.
Was du tun kannst:
Spenden und
Hilfe sind in Haiti dringend erforderlich. Hier sind einige
Organisationen mit Verbindungen zu den Basisbewegungen im Land.
- Der »Haiti
Nothilfe-Fonds«, unterstützt Basisorganisationen in Haiti,
die humanitäre Hilfe leisten. Er wird organisiert von Haiti
Action. Das Netzwerk wurde nach dem Putsch im Jahr 2004
gegründet. Für weitere Informationen, einschließlich telefonischem
Kontakt findest Du auf der Webseite der von »Haiti
Action in Kanada«.
- Die Organisation »Zanmi
Lasante Medical Center« hat iheren Sitz in der zentralen
Hochebene von Haiti und bietet Gesundheitsversorgung durch ein Netz
von Kliniken. Das Gesundheitszentrum hat das Erdbeben überstanden
und kann so Hilfe in das Katastrophengebiet sicherstellen. Spenden
vermittelt die US-amerikanische Non-Profit-Organisation »Partners
in Health«.
- Das Schulprojekt »SOPUDEP«
gibt es in der Stadt Petionville. Die Ressourcen der Schule und
Lehrer werden mobilisiert, um die benachbarte Bevölkerung zu
unterstützen. Sie können die Schulen unterstützung über die
kanadische »Sawatzky Family
Foundation«.
Mehr auf marx21.de:
|
|
|
|
 |
|