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18.02.10: Betrieb und Gewerkschaft |
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Die IG Metall Stuttgart plant offenbar ein
Ausschlussverfahren gegen kämpferische Kolleginnen und Kollegen der
Daimler Betriebsratliste »Alternative«. marx21 ruft alle Leserinnen
und Leser zum Protest - via E-Mail.
marx21 dokumentiert den Aufruf der
Betriebsratsliste »Alternative« bei Daimler Sindelfingen. Weiter unten
findest Du einen Entwurf für eine Protest E-Mail.
IG METALL-AUSSCHLUSSVERFAHREN GEGEN
AKTIVE DER SINDELFINGENER »ALTERNATIVE« DROHT!
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
die Unternehmenspolitik des
Daimler-Konzerns und ihre Folgen sind vielen von Euch bekannt.
Mit aller Macht versucht die
Konzernleitung die Lasten der Krise auf die Schultern der
Beschäftigten abzuwälzen. Sie will mehr Umsatz und mehr Profit
machen. Und wie kann es anders sein: Alles auf Kosten der
Daimler-Beschäftigten!
Diese Unternehmenspolitik bedeutet für
uns Verlängerung der Arbeitszeiten, Steigerung der
Arbeitsintensität, Verkürzung der Taktzeiten, Arbeitsverlagerung,
Abbau von Arbeitsplätzen und vor allem aber deutlich weniger Lohn.
Oft genug unterstützte die Mehrheit des Betriebsrats diese -gegen
die Interessen der Beschäftigten gerichtete- Politik. So wurde die
Empörung und der Wut vieler Kolleginnen und Kollegen immer größer.
Verschiedene Kolleg/innen im Werk wollten die Politik der
Firmenleitung und die Politik des Co-Managements der
Betriebsratsmehrheit nicht mehr widerstandslos hinnehmen. Daher wurde
durch eine Reihe aktiver Kolleginnen und Kollegen eine Arbeitsgruppe
namens »Alternative« im Mai letzten Jahres ins Leben gerufen. Zum
ersten Mal entstand eine solche Alternativ-Gruppe bei Mercedes-Benz
in Sindelfingen.
Wir gaben auch ein Informationsblatt
mit dem gleichnamigen Titel »Alternative« heraus, in dem wir die
Sozialpartnerschafts- und die Verzichtspolitik der
Betriebsratsmehrheit kritisierten.
Kurz nach der Veröffentlichung des
Informationsblattes »Alternative« wurden auf Drängen der
Betriebsratsmehrheit die Unterstützer/innen der Gruppe von allen
Strukturen der Vertrauenskörperleitung (VKL) ausgeschlossen. Und
auch danach ließ und lässt die Betriebsratsmehrheit Nichts
unversucht, die Stimme der »Alternative« abzudrängen und die
Unterstützerinnen und Unterstützer der »Alternative« aus allen
betrieblichen und gewerkschaftlichen Strukturen auszuschließen.
So blieb uns bei der nun bevorstehenden
Betriebsratswahlen nur noch die Möglichkeit, mit einer eigenen Liste
»Alternative« zu kandidieren. Diese Möglichkeit haben wir auch
wahrgenommen.
Jetzt droht neue Gefahr!
Wir haben die berechtigte Sorge, dass
der Ortsvorstand der IG Metall sich dem Druck der
Betriebsratsmehrheit beugt, indem er mit großer Wahrscheinlichkeit
am 22. Februar alle Kollegen und Kolleginnen, die auf der Liste der
»Alternative« kandidieren, mit einem Ausschlussverfahren
konfrontieren wird. Wir alle sind Mitglied der IG Metall. IG Metall
ist eine Arbeitnehmerorganisation, sie ist unsere Gewerkschaft! Wir
wollen und werden bei der IG Metall bleiben! Deshalb bitten wir dringend um eure
Solidarität!
Sendet bitte Protest-E-Mails (siehe
Protestbriefentwurf weiter unten) an die Verwaltungsstelle der IG
Metall in Stuttgart, noch bevor der Ortsvorstand diesen falschen Weg
geht.
Mit kollegialen Grüßen
An den 1. Bevollmächtigten der IG
Metall Stuttgart Hans Bauer, an die Ortsverwaltung der IG Metall
Stuttgart sowie bitte an uns, damit wir den Protest verfolgen können:
An:
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Mögliche Betreffzeile: Protest gegen
das drohende Ausschlussverfahren
Mögliche Protest-Mail:
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
mit Erstaunen müssen wir registrieren,
dass gegen organisierte und engagierte GewerkschafterInnen im Daimler
Werk Sindelfingen mit Ausgrenzung und einer Ausschlussdrohung aus der
IG Metall reagiert wird, nachdem sie eine eigenständige Liste zur
Betriebsratswahl beantragt hatten. Wir dachten die Zeiten der
Ausschlüsse alternativer Kolleg/innen und Listen gehören der
Vergangenheit an.
Wie in zahlreichen Betrieben auch gibt
es auch unter den gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten bei
Daimler in Sindelfingen unterschiedliche Vorstellungen über Inhalt,
Ziele und Methoden der Interessenvertretung durch den Betriebsrat.
Die Kontroversen sind augenscheinlich so groß, dass die Aufstellung
einer gemeinsamen Liste weder möglich noch sinnvoll erscheint. Die
Kolleginnen und Kollegen der »Alternative« nehmen schlicht ihr
Recht aus dem Betriebsverfassungsgesetz wahr. Mit ihrer Beteiligung
an den Betriebsratswahlen verschaffen sie dem Teil der Belegschaft
eine Stimme, der sich durch die jetzige Betriebsratsmehrheit nur
unzureichend oder nicht mehr vertreten fühlt.
Die Geschlossenheit - nicht nur der
IGM sondern möglichst der gesamten Belegschaft - ist in der
praktischen Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber absolut notwendig!
Diese Geschlossenheit jedoch einzufordern bei der Debatte um
gewerkschaftliche Ziele und bei den Betriebsratswahlen, läuft darauf
hinaus, bürokratische Maulkörbe zu verhängen. Geschlossenheit
setzt Einsicht und Überzeugung voraus. Die kann man nicht verordnen,
sie kann nur das Ergebnis einer freien, kontroversen und öffentlichen
Debatte sein. Bei den Betriebsratswahlen 2010 geht es nicht nur bei
Daimler um die Frage: Können die Betriebsräte die Belange der
Belegschaften am besten vertreten in engster Kooperation mit den
Arbeitgebern oder sollen sie auf eine eigenständige
Interessenvertretung auch in Konfrontation mit den Geschäftsleitungen
setzen?
Dabei geht die Konfrontation zunehmend
von den Unternehmen und ihren Verbänden aus, die weder Rücksicht
auf die Interessen ihrer Beschäftigten noch auf die bisher
praktizierte Methoden der Sozialpartnerschaft nehmen. Sollen sich die
gewerkschaftlichen Interessenvertreter in den Betrieben den Diktaten
ihrer Firmenleitungen beugen, um den sozialen Frieden und die
»Partnerschaft« mit »ihren« Unternehmen nicht aufs Spiel zu
setzen?
Diese Fragen gehören unseres Erachtens
offen diskutiert. Sie lassen sich, auch mit Hinweis auf vermeintlich
passende Satzungsbestimmungen und der Drohung des
Gewerkschaftsausschlusses nicht unterbinden.
Ich/Wir bin/sind der Meinung, dass Euer
Verhalten und Eure Androhungen, die Kollegen der Alternative aus der
Gewerkschaft auszuschließen, Ausdruck einer zutiefst
undemokratischen Herangehensweise sind. Wir/Ich sind der Meinung,
dass es die Aufgabe aller Gewerkschaftsmitglieder ist, sich für die
innergewerkschaftliche Demokratie einzusetzen, diese einzufordern und
undemokratische Strukturen und Verhaltensweisen zu bekämpfen.
Mit kollegialen Grüßen
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